Hintergrund
Detaillierte Informationen zu verschiedenen aktuellen Themen sind hier in Hintergrundpapieren zusammengestellt und stehen Ihnen als Downloads zur Verfügung.
Rohstoffe für die menschliche Ernährung, Futtermittel, Chemie und Energie – Produkte der Ölmühlen
Berlin, Mai 2008 – Die deutschen Ölmühlen tragen eine gesellschaftliche Verantwortung. Ihre aus Ölsaaten gewonnenen pflanzlichen Öle und Fette
finden wir in jedem dritten Lebensmittel im Supermarkt. Die Ölmühlen
stellen aber nicht nur die Versorgung der Bevölkerung mit pflanzlichen
Ölen sicher, sondern liefern auch die benötigten Eiweißfuttermittel für
die Tierhaltung. Darüber hinaus werden sie für die chemische Industrie
als Rohstofflieferant immer wichtiger. ...mehr...
Die weltweite Nachfrage nach pflanzlichen Ölen und Fetten steigt seit Jahren
kontinuierlich. Allein der globale Pflanzenölverbrauch hat sich seit 1990
verdoppelt. Er beträgt nach aktuellen Erhebungen jährlich rund 122 Millionen
Tonnen. Davon entfällt das Gros auf den Ernährungsbereich: 95 Prozent der
weltweiten Getreide- und Ölsaatenernte dienen ausschließlich der menschlichen
und tierischen Ernährung.
Auch in Deutschland steigt der Pflanzenölverbrauch. Zwischen 2005 und
2006 betrug das Plus 30 Prozent. Um die Versorgung der Bevölkerung mit
unterschiedlichsten Produkten sicherzustellen, verarbeiten deutsche Ölmühlen
eine breite Palette von Ölsaaten und Ölen. Hierzu zählen unter anderem
Raps, Palmöl, Soja, Lein und Rizinus. Rapsöl macht hierzulande 59 Prozent
des Verbrauches an pflanzlichen Ölen aus. Es folgen Palmöl und Sojaöl mit
Anteilen von 18 und 11 Prozent. Sonnenblumenöl und sonstige Öle kommen
auf Anteile von fünf bzw. sieben Prozent.
Nahrung für Mensch und Tier
Die deutschen Ölmühlen verarbeiten jährlich über zehn Millionen Tonnen
Ölsaaten und produzieren rund 3,4 Millionen Tonnen pflanzliche Öle. Darüber
hinaus importieren sie Palm- und Kokosöle, um die Varianz der Fettsäuren
und damit die vom Verbraucher erwünschte Eigenschaftsvielfalt der
Lebensmittel zu gewährleisten. Ein wesentlicher Teil gelangt auf unterschiedlichen Wegen auf die Esstische – zum Beispiel als Speiseöl und verarbeitet in Margarinen, Backwaren, Fertiggerichten, Feinkostprodukten sowie in vielen anderen Lebensmitteln. Oder aber als Lecithin, einem Nebenprodukt der Ölsaatenverarbeitung. Dieser „Alleskönner“ ermöglicht die Mischung von Öl und Wasser. Bereits in geringen Anteilen verbessert Lecithin die Haltbarkeit von Schokolade und die Qualität von Backwaren. Lecithin ist jedoch nicht nur in Lebensmitteln, sondern auch in Zahnpasta, Shampoo und Kosmetika unentbehrlich. Kurzum: 80 Prozent der Produkte des täglichen Bedarfes enthalten in der einen oder anderen Form Produkte der Ölmühlen. Auch für landwirtschaftliche Nutztiere wie Schweine, Geflügel, Mastrinder und Milchkühe sorgen die Ölmühlen und sind mit der Herstellung von Sojaschrot und Rapsschrot der wichtigste Eiweißlieferant für die Mischfutterindustrie.
Multitalent Ölmühle: Rohstoffe für Creme & Co.
Etwa 10 Prozent der in Deutschland hergestellten pflanzlichen Öle und Fette
sind unentbehrliche Rohstoffe für die Oleochemie. Dank ihrer Natürlichkeit
und Reinheit lassen sie sich sehr gut zu einer Vielzahl von umwelt- und
verbraucherfreundlichen Produkten verarbeiten. Hierzu zählen Cremes, Seifen
und Kosmetika ebenso wie biologisch leicht abbaubare Waschmittel.
Doch nicht nur in der chemischen Industrie lassen sich die Rohstoffe sehr
gut einsetzen. In den letzten Jahren nimmt die Produktion von Biodiesel aus
Rapsöl in Deutschland immer mehr zu.
Unternehmen Weltmarkt: Ölmühlen als Global Player
Die Märkte für Ölsaaten, Öle, Fette und Schrote sind echte Weltmärkte. Dort
begegnen sich Rohstofferzeuger, der Handel und die Ölmühlen in einem
offenen Wettbewerb. Die Warenterminbörse in Chicago ist weltweit zweifellos
der bedeutendste Handelsplatz der Branche. Dort laufen Angebot und
Nachfrage zusammen und so entstehen Tag für Tag die Preise, die das
weltweite Marktgeschehen beeinflussen. Die Preise für Ölsaaten unterliegen
oftmals starken Schwankungen. Um diese abzufedern, tätigen die deutschen
Ölmühlen langfristige Termingeschäfte.
Herausforderung Wachstum – Ölmühlen für Versorgungssicherheit
Die deutschen Ölmühlen versorgen die verschiedenen Branchen unabhängig
von Erntezeiten stets gleichmäßig mit Produkten und Rohstoffen. Neben
heimischen Ölsaaten wie Raps verarbeiten sie auch Ölsaaten wie Soja, das
vor allem aus Nord- und Südamerika eingeführt wird. Etwa 3,5 Millionen
Tonnen von den insgesamt 5,3 Millionen Tonnen importierter Ölsaaten im
vergangenen Jahr war Soja.
Doch hier liegt ein Problem: Auf den bedeutenden internationalen Märkten
wird Soja mittlerweile überwiegend in genetisch veränderter Form angeboten.
So lag z. B. der Anteil von genetisch modifizierten Sorten an der gesamten
Anbaufläche für Sojabohnen 2007 in den USA bei 91 Prozent, in Argentinien
bei 98 Prozent und in Brasilien bei immerhin 65 Prozent. Einige dieser
so genannten GMO-Sorten sind zwar in den USA und Südamerika zugelassen,
jedoch noch nicht in der EU. In diesem Fall gilt für den Import in die EU
eine absolute Nulltoleranz. Schon ein Gramm GMO Soja in einem Schiff
würde mit dieser Nulltoleranz dazu führen, dass die gesamte Ladung des
Schiffes nicht in Europa verarbeitet werden dürfte. Diese Grenze ist nach
Einschätzung aller Experten nicht haltbar. Deshalb wird für solche GMOSorten,
die eine Zulassung in Drittländern haben, ein Schwellenwert von ca. 0,9 % gefordert. Ansonsten werden spätestens für das Jahr 2009 Beschaffungsengpässe für Sojabohnen und Sojaschrot erwartet. Die Folgen wären aufgrund begrenzter Substitutionsmöglichkeiten von Soja für die heimische Veredelungsproduktion dramatisch.
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Natürliche Balance von Mensch und Natur
Berlin, Mai 2008 – Sensible Ökosysteme wie der Regenwald brauchen wirksamen Schutz. Aber auch vor unserer eigenen Haustür gilt es schonend zu wirtschaften. Und was schließlich auf den Teller des Verbrauchers gelangt, soll hochwertig und sicher sein: Berechtigte Ansprüche an die ölsaatenverarbeitende Industrie. Erst recht angesichts einer stetig wachsenden Weltbevölkerung. Die Ölmühlen nehmen ihre Verantwortung für das Wohlsein von Mensch und Natur wahr. ...mehr...
Aktuell können die deutschen Ölmühlen einen bedeutenden Erfolg bei der Arbeit an praxistauglichen Zertifizierungssystemen für einen nachhaltigen Ölpflanzenanbau in Drittländern verzeichnen: Bereits in diesem Jahr kann in Deutschland mit ersten Lieferungen von Ölsaatenprodukten aus Asien mit dem neuen Nachhaltigkeitszertifikat für Palmöl gerechnet werden. Das Zertifikat garantiert, dass kein Regenwald für den Anbau der zertifizierten Produkte gerodet wird. Analog zum erfolgreichen Beispiel bei Palmöl ist vor zwei Jahren eine entsprechende Initiative zu Soja etabliert worden. Um diesen Prozess zu beschleunigen, haben die führenden, auch in Deutschland tätigen Sojaverarbeiter ADM, Bunge und Cargill gemeinsam mit vielen anderen Unternehmen, Nichtregierungsorganisationen und brasilianischen Regierungsvertretern als ersten Schritt mit dem für Deutschland wichtigsten Produzenten Brasilien ein so genanntes Soja-Moratorium ausgesprochen. Darin haben sie zugesichert, binnen eines Zeitraumes von zunächst zwei Jahren ausschließlich Soja aus garantiert nachhaltigem Anbau zu erwerben. Seit Jahren schon arbeiten die deutschen Ölmühlen innerhalb ihres europäischen Dachverbandes (FEDIOL) an praxistauglichen Zertifizierungssystemen wie dem Roundtable on Sustainable Palm Oil (RSPO) und dem Roundtable on Responsible Soy (RTRS). Damit leisten sie einen wichtigen Beitrag für die Zukunft des Regenwaldes, denn die wachsende globale Nachfrage nach Ölen und Schroten für die Ernährung und Fütterung führte in den vergangenen Jahrzehnten zu einem raschen Wachstum der Anbaufläche für Soja aus Südamerika und Ölpalmen aus Südostasien. Palmöl und Sojaöl sind weltweit die wichtigsten Nahrungsmittelöle. Sojaschrot ist das weltweit wichtigste Eiweißfuttermittel.
Gute fachliche Praxis vor der eigenen Haustür
Während derzeit global wirksame Nachhaltigkeitszertifikate entwickelt werden, ist in Deutschland und Europa der verantwortungsvolle Umgang mit unseren Ressourcen bereits Standard. So müssen die Landwirte beim Anbau von Raps, der bedeutendsten Ölsaat deutscher Ölmühlen, nach den Kriterien der „Guten fachlichen Praxis“ (GfP) wirtschaften und bestimmte Gesetze zur Schonung von Natur und Umwelt beachten, z. B. die Düngemittelverordnung oder das Bundesnaturschutzgesetz. Der Anbau muss standortangepasst erfolgen und dabei eine langfristige Bodenfruchtbarkeit gewährleisten. Nach einer Untersuchung der Union zur Förderung von Oel- und Proteinpflanzen (UFOP) ist der Rapsanbau unter Beachtung der „Guten fachlichen Praxis“ auf Basis einer sorgfältigen Bewertung der pflanzenbaulichen Verfahren und des damit verbundenen Betriebsmitteleinsatzes eine hervorragende Vorfrucht für Getreide und sorgt damit für eine Verbesserung der Bodenfruchtbarkeit und des Bodenschutzes. So zeigten auch die Erfahrungen aus einem witterungsbedingt schwierigen Jahr wie 2007 die Vorteile einer durch Raps aufgelockerten Fruchtfolge. Raps ist zudem aufgrund seiner positiven Wirkung z. B. auf Honigbienen und Hummeln wichtig für den Erhalt der biologischen Vielfalt. Europaweit setzt die so genannte Cross Compliance entsprechende Rahmenbedingungen. Direktzahlungen werden nach diesem System nur dann gewährt, wenn Landwirte bestimmte Auflagen in den Bereichen Umwelt- und Naturschutz sowie Lebensmittel- und Futtermittelsicherheit erfüllen. Dazu gehören die Düngemittel- und Pflanzenschutzmittelverordnung, die Nährstoffbilanzen fordern und Mindestabstände zu Gewässern für das Ausbringen von Düngemitteln und Pflanzenschutzmitteln festlegen.
Lückenlose Qualitätsüberwachung für hochwertige Produkte
Die deutschen Ölmühlen werden auch der besonderen Verantwortung für die Qualität und Sicherheit ihrer Produkte gerecht. In allen Unternehmen sind schon seit vielen Jahren wirkungsvolle Qualitätssicherungs- und Risikomanagement-Systeme gängige Praxis. Als bedeutender Rohstofflieferant der Lebensmittelindustrie ist Hazard Analysis and Critical Control Points (HACCP) als wichtiges, vorbeugendes System zur Beherrschung kritischer Punkte beim Umgang mit Lebensmitteln bereits seit Jahren in die Betriebsabläufe der Ölmühlen integriert. So gelangen nur Produkte aus Ölsaaten auf den Teller des Verbrauchers, die rückverfolgbar in allen Stufen der Erzeugung durch das QS-Prüfsystem kontrolliert wurden. Die ölsaatenverarbeitenden Unternehmen zertifizieren ihre Produkte ebenfalls nach dem International Food Standard (IFS). Er wurde von dem Lebensmitteleinzelhandel definiert und sichert ein hohes Qualitätsniveau bei der Produktion von Lebensmitteln.
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Öle und Ölprodukte können immer mehr
Berlin, Mai 2008 – Die deutschen Ölmühlen arbeiten intensiv an innovativen Produkten mit maßgeschneiderten Fettsäuremustern. Davon wird die Ernährungswirtschaft ebenso profitieren wie die chemische Industrie. Auch im Futtermittelbereich sorgt die Branche für Wachstumsimpulse. ...mehr...
Die deutschen Ölmühlen stellen ihre Innovationsstärke immer wieder unter Beweis. Derzeit arbeitet die Branche unter anderem an der Optimierung von Fettsäurezusammensetzungen. Durch die Mischung verschiedener konventioneller Öle mit jeweils unterschiedlichen Fettsäuremustern lassen sich die Eigenschaften neuer und dennoch natürlicher Produkte gezielt beeinflussen. Hierdurch entsteht beispielsweise der zart schmelzende Charakter von Schokolade.
HO-Öle als Absatzrenner für Food- und Non-Food-Sektor
Besonders die so genannten High-Oleic-Pflanzenöle, kurz HO-Öle, bieten vielversprechende Perspektiven. Es handelt sich dabei um Öle mit einem züchtungsbedingt besonders hohen Anteil der einfach ungesättigten Ölsäuren. Das Magazin Raps prognostizierte Anfang diesen Jahres ein Anwachsen des Marktpotentials für HO-Öle von derzeit etwa 50.000 Tonnen auf über eine Million Tonnen im Jahr 2015. Dieses Öl ist problemlos hoch erhitzbar und eignet sich deshalb unter anderem hervorragend als Brat- und Frittierfett. In den USA finden HO-Öle bereits in speziellen Gesundheitsprodukten, z. B. im Babynahrungs-Segment und bei Produkten für Senioren Verwendung. Aufgrund ihrer besonderen Fettsäurezusammensetzung bieten HO-Öle auch eindeutige ernährungsphysiologische Vorteile. So senkt ein hoher Gehalt an Ölsäuren die Blutfettwerte und ist förderlich für Herz und Kreislauf. Aufgrund der chemischen Kennwerte sind HO-Öle auch für die oleochemische Industrie ein bestens geeigneter Rohstoff mit vielfältigen Einsatzmöglichkeiten. So kommt dieses Öl unter anderem bereits in Schmierstoffen und Hydraulikflüssigkeiten zum Einsatz sowie bei der Herstellung von Körperpflegemitteln und Kosmetika oder auch Waschmitteln.
Kunststoffe der neuen Generation
Pflanzenöle verfügen über eine ähnliche chemische Struktur wie die Kohlenwasserstoffe des Erdöls und nicht zuletzt deshalb prognostizieren Fachleute einen klaren Trend: Immer häufiger werden zukünftig fossile Rohstoffe in neuen Kunststoffen durch pflanzliche Rohstoffe aus Ölsaaten ersetzt. Bei der Herstellung von umweltfreundlichen Lösungsmitteln, Farben und Lacken sowie Oberflächenbelägen werden Pflanzenöle bereits vielseitig verwendet. Produkte der Ölmühlen haben in Zukunft möglicherweise noch mehr zu bieten. Wissenschaftler testen zurzeit die Eignung von Rohstoffen aus Ölsaaten für die Herstellung biogener Schmierstoffe, die speziell in Getrieben von Windkraftanlagen zum Einsatz kommen sollen. Auch für die Landwirtschaft bieten sich interessante Perspektiven: So arbeiten Wissenschaftler der Technischen Universität Braunschweig derzeit an einem ehrgeizigen Forschungsprojekt zur Nutzung aus Ölsaaten gewonnener Rohstoffe zur Herstellung biologischer Schädlingsbekämpfungsmittel.
Leistungssteigerung im Futtermittelsektor
Rapsschrot ist als Eiweißträger optimal für die Fütterung von Milchkühen: Die bessere Versorgung der Tiere mit nutzbarem Eiweiß führt zu einer erheblich höheren Milchproduktion. Unerwünschte Inhaltsstoffe im Raps wurden durch konventionelle Zuchtarbeit weitestgehend eliminiert. Seitdem man erucasäurefreie und glucosinolatarme, so genannte 00-Rapssorten anbaut, findet diese preiswürdige und qualitativ hochwertige Eiweißfuttermittelkomponente verstärkt in Mastschweine-Rationen Verwendung. Selbst hohe Mischungsanteile haben sich bewährt. Nach Einschätzung von OVID wird der Trend zum Einsatz von Rapsschrot auch in der Schweine- und Rinderfütterung in den kommenden Jahren anhalten. In Zukunft könnten allein in Deutschland jährlich bis zu drei Millionen Tonnen in der Tierhaltung eingesetzt werden. Interessante Perspektiven bietet überdies eine neue Futterkomponente: Glycerin. Diese Substanz – übrigens ein Bestandteil aller pflanzlichen und tierischen Fette und Öle – kommt in jüngster Zeit verstärkt als energiereiches Futtermittel für Milchkühe und Schweine erfolgreich zum Einsatz.

