Positionen

OVID vertritt die Interessen einer traditionsreichen und zugleich innovativen Branche, deren Produkte zentraler Bestandteil eines bewussten und modernen Lebens sind. Hier finden Sie in Kürze unsere Positionen zu aktuellen Diskussionen.

 

Ernährungsindustrie lehnt Einstufung von biogenen Ölen als wassergefährdende Stoffe ab

Biogene, d. h. auf pflanzlicher und tierischer Grundlage hergestellte Öle werden in verschiedenen Branchen der Ernährungsindustrie, insbesondere in der ölsaatenverarbeitenden, der Margarine-, der Feinkost- , der Milch- und der Süßwarenindustrie hergestellt und verarbeitet.

In einem gemeinsamen Positionspapier hat sich OVID zusammen mit der Bundesvereinigung der Deutschen Ernährungsindustrie (BVE) und mehreren Fachverbänden der Ernährungsindustrie gegen das Vorhaben des Bundesumweltministeriums ausgesprochen, diese Öle sowie entsprechende Gemische zukünftig in einer „Verordnung zum Umgang mit wassergefährdenden Stoffen (VUmwS)“ als wassergefährdend einzustufen.

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Grain Club: Positionspapier zur Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Agrarwirtschaft

Die Mitglieder des Grain Club repräsentieren die verschiedenen Stufen der Getreide-, Futtermittel- und Ölsaatenwirtschaft. In der Wertschöpfungskette der Agrar- und Ernährungswirtschaft sind die Mitgliedsunternehmen dieser Verbände in den der Landwirtschaft vor- und nachgelagerten Bereichen Verarbeitung, Herstellung und Handel tätig. Die Unternehmen sind in ihren Entscheidungen und Planungen dringend auf verlässliche politische und regulatorische Rahmenbedingungen angewiesen. Eine zukunftsorientierte Politik für diese Unternehmen erfordert die Einbeziehung aller Politikbereiche, von der Wirtschafts-, Finanz-, Handels- und Agrarpolitik über die Verbraucher- bis hin zur Umweltpolitik und muss dem internationalen Kontext, in dem sich Wirtschaft und Märkte entwickeln, Rechnung tragen.

Die wichtigsten Anliegen des Grain Club sind:

  • Nachhaltige Rahmenbedingungen für leistungsfähige Unternehmen!
  • Nachhaltigkeitsnachweise für Biomasse werden alle Verwendungsbereiche betreffen!
  • Erneuerbare Energien: Europäische Vorgaben für Nachhaltigkeit maßstabgetreu und rechtssicher umsetzen!
  • Gentechnik: Wettbewerbsnachteile abwenden, Welternährung sichern!
  • Pflanzenschutzmittel: Wettbewerbsfähigkeit, Anwender- und Verbraucherschutz sichern!
  • Rückstände: Gesetzliche Grenzwerte sichern Verbraucherschutz auf Spitzenniveau
  • Exportförderung
  • Gemeinsame Agrarpolitik (GAP): Marktordnungen als Sicherheitsnetze erhalten!
  • WTO-Verhandlungen: Protektionistischen Tendenzen entgegentreten!

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Positionspapier zum Entwurf der Biokraftstoff-Nachhaltigkeitsverordnung

  • Zu schnelle Umsetzung der europäischen Nachhaltigkeits-Anforderungen in deutsches Recht erfordert baldige Nachbesserung nach noch ausstehender Veröffentlichung der Guidelines zur nationalen Umsetzung der RED
  • Ohne praktikable und sanktionsfreie Einführungsphase droht vollständiger Produktionsstopp in der Biokraftstoffindustrie ab 1. Januar 2010
  • Biokraftstoffbranche wünscht sich für die Zukunft, stärker in die Gesetzgebungsprozesse eingebunden zu werden, um die Anliegen der Wirtschaft praxisgerecht einzubringen

Grundsätzlich begrüßen der Verband der Deutschen Biokraftstoffindustrie (VDB) und der Verband der ölsaatenverarbeitenden Industrie in Deutschland (OVID) die Bemühungen um eine schnelle nationale Umsetzung der europäischen Nachhaltigkeitsanforderungen aus der Richtlinie zur Förderung der Nutzung von Energie aus erneuerbaren Quellen (RED) und eine Einführung von Nachhaltigkeitskriterien für die Produktion und den Einsatz von Biomasse.

Allerdings erweist sich der vorliegende Verordnungsentwurf der Bundesregierung als nicht praktikabel für die betroffenen Branchen....mehr

So würde in bereits abgeschlossene landwirtschaftliche Ernte- und Handelsvorgänge eingegriffen. Der Anbau von Biomasse müsste rückwirkend zertifiziert werden, was nicht möglich ist. Schließlich vergehen zwischen dem Zeitpunkt der Aussaat bis zur Endverarbeitung oft bis zu 20 Monate. So wird bei der Produktion von Biokraftstoffen für das Jahr 2010 auf die Ernten der Jahre 2008 und 2009 zurückgegriffen. Bei einer Aussaat z. B. im August 2008 kann es also zu einer Endverarbeitung erst im Mai 2010 kommen. Zusätzlich steht die neue Ernte 2009 unmittelbar bevor.

Darüber hinaus werden Guidelines zur nationalen Umsetzung der Nachhaltigkeitsanforderungen aus der RED voraussichtlich erst im März 2010 von der Europäischen Kommission veröffentlicht. Mit der Fertigstellung dieser Guidelines wird im März 2010 gerechnet.

So liegt zum Beispiel noch keine Einteilung der Landschaft in „schützenswerte Flächen“ vor. Wichtige Fragen für die gesamte Logistikkette sind bisher nicht geklärt, wie beispielsweise die Rückverfolgbarkeit der Rohstoffe anhand von Massenbilanzsystemen.
Die jetzt von der Bundesregierung verabschiedete Verordnung müsste also bereits im kommenden Jahr an die noch ausstehenden europäischen Vorgaben angepasst werden.

Ein vollständiges In-Kraft-Treten unter den gegebenen Anforderungen zum 1. Januar 2010 stellt also die betroffenen Branchen vor unlösbare Probleme und würde zu einem kompletten Produktionsstopp in der Biokraftstoffindustrie führen, da zu diesem Zeitpunkt keine auf Nachhaltigkeit zertifizierte Ware auf dem Markt vorhanden ist.

Aus Gründen der Rechtssicherheit und des Vertrauensschutzes ist es daher zwingend notwendig, nach In-Kraft-Treten der NachVO zunächst mit einer 12-18-monatigen, sanktionsfreien Einführungsphase zu beginnen oder die Anwendung einzelner Vorgaben zurückzustellen, bis z. B. Zertifizierungssysteme überhaupt offiziell anerkannt sind. Diese Lern- oder Übergangsphase sollte von einem intensiven Monitoring in enger Abstimmung mit der betroffenen Wirtschaft begleitet werden.

Grundsätzlich ist es erforderlich, die Nachhaltigkeitszertifizierung auf alle Anwendungsbereiche der Biomassenutzung (Lebens- und Futtermittel sowie stoffliche und energetische Nutzung) auszuweiten, um Leakage-Effekte (indirekte Landnutzungsänderung) zu vermeiden. Der weltweite Anteil der agrarischen Rohstoffe, die in die Erzeugung von Bioenergie und Biokraftstoffe gehen, beträgt lediglich 3 Prozent. Das in die EU importierte Palmöl ging in den letzten Jahren nur zu rund 5 Prozent in die heimische Biokraftstoffproduktion. Es stellt sich daher auch die Frage, wie mit 3 bzw. 5 Prozent nachhaltiger Biomasse ein wirkungsvoller Klimaschutz gewährleistet werden soll? Ebenso sollten Mindestkriterien einer nachhaltigen Erzeugung an alle fossilen Energieträger gestellt werden (z. B. arbeitsrechtliche Vorschriften, Naturschutz etc.).

Um eine praxisnahe Ausgestaltung der Nachhaltigkeitszertifizierung zu gewährleisten, haben sich die betroffenen Branchen intern zu einer „Arbeitsgruppe Implementierung Nachhaltigkeit“ zusammengeschlossen und das Angebot der Mitwirkung an die zuständigen Ministerien übermittelt.

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Welternährung

Ernährung nachhaltig sichern - durch reale Weltmarktpreise für Agrarrohstoffe

Executive Summary
01.    Die Preise für Ölsaaten und Getreide sind seit den Höchstständen im 1. Halbjahr 2008 um mehr als 40 Prozent gesunken. Die Ursache dafür sind...mehr

signifikante Produktionsausweitungen als Antwort auf die vorübergehend aufgetretene Engpasssituation. Missernten, erhöhter Fleischkonsum in Indien und China, Spekulationen auf den Agrarmärkten sowie die Nachfrage nach Bioenergie hatten zu starken Preisschüben geführt. Diese kehren sich jetzt in ihr Gegenteil um, womit auch klar ist: Der oftmals behauptete Zusammenhang zwischen erhöhtem Bioenergiebedarf und höheren Rohstoffpreisen existiert in dieser Form nicht.

02.    Mit sinkenden Preisen wächst allerdings die Gefahr, agrar- und entwicklungspolitische Fehler der Vergangenheit zu wiederholen. Ein angemessenes Preisniveau mit entsprechenden Erlösen auf der Erzeugerseite gibt Entwicklungsländern die Chance, notwendige Strukturanpassungen vorzunehmen (besseres Saatgut, modernes Gerät, Verkehrsinfrastruktur etc.). Durch die subventionierten Agrarexporte der Industrie- in die Entwicklungsländer wurden die dortigen Preise in den letzten Jahren bzw. Jahrzehnten auf ein deutlich zu niedriges Niveau abgesenkt. Eine Preiskorrektur für Agrarprodukte in Richtung eines realen Weltmarktniveaus ist unabdingbar, um vor allem Kleinbauern in Entwicklungsländern notwendige Produktionsanreize zu bieten.

03.    In Phasen überschüssiger Agrarproduktion können Biokraftstoffe als eine Art „Überschussventil“ fungieren, indem sie die nicht für Nahrungsmittel benötigten Mengen aufnehmen. Allerdings sind dafür auch verbindliche politische Rahmenbedingungen, z.B. in Form von Quotenvorgaben notwendig, um entsprechendes unternehmerisches Handeln zu entfalten und Vertrauensschutz zu gewährleisten. Als grundlegend falsch betrachten wir eine Politik, die Biokraftstoffquoten auf Basis emotionaler Kurzschlusshandlungen nach unten zu drücken versucht.

04.    Falls es hingegen zu unerwarteten Engpässen in der Nahrungsmittelversorgung, z.B. infolge von Missernten, kommen sollte, hat nach Überzeugung des OVID die Verwendung von Agrarprodukten für die Nahrungsmittelproduktion eindeutig Vorrang. „Food first“ ist auch unsere Devise. Dazu bedarf es entsprechender „Ausstiegsklauseln“ im Sinne eines vorübergehenden Einfrierens von Biokraftstoffquoten. Die Europäische Kommission beabsichtigt ohnehin, mit Hilfe eines Monitorings die Angebots- und Nachfragemärkte zu beobachten, um notfalls lenkend eingreifen zu können.

05.    Der vermeintliche Gegensatz „Tank versus Teller“ ist irreführend. Zum einen gehen lediglich 3 Prozent der weltweit produzierten Ölsaaten in die Erzeugung von  Biokraftstoffen. Zum anderen wird ein nicht unerheblicher Teil der Raps- oder Maisernten zur Herstellung von Futtermitteln verwendet. Da die Menschen in Entwicklungs- und Schwellenländern mehr Fleisch essen als früher, steigt auch der Bedarf an Futtermitteln. Tatsächlich geht es also nicht um zwei, sondern um drei alternative Verwendungswege („Teller“, „Trog“ und „Tank“), die miteinander in Einklang gebracht werden müssen. Dazu wollen die Unternehmen der ölsaatenverarbeitenden Industrie ihren Beitrag leisten.

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3-MCPD-Ester

Untersuchungen zu 3-MCPD-Fettsäureestern laufen auf Hochtouren

Analyse, Gefährdungsabschätzung und Minimierung gestalten sich schwierig

Das Auftreten von freiem 3–MCPD in Lebensmitteln ist seit langem bekannt. Seit einigen Monaten liegt das öffentliche Interesse bei einer gebundenen Form dieses Stoffes, den 3–MCPD–Fettsäureestern. Erstmalig wurden diese Stoffe Ende 2007 analysiert. Über das Freisetzungsverhalten von 3–MCPD aus der gebundenen Form in die gefährliche freie Form liegen derzeit keine wissenschaftlichen Untersuchungen vor. Auch die Nachweismethodik der 3–MCPD–Ester steckt noch in der Entwicklungsphase. Während zur Analyse und Freisetzung keine verlässlichen Daten vorliegen, haben die Mitgliedsfirmen von OVID bereits begonnen, Minimierungsmaßnahmen von 3–MCPD–Estern zu entwickeln und zu erproben.

3–MCPD–Ester entstehen bei der Raffination von pflanzlichen Ölen. Der Raffinationsprozess ist allerdings im Hinblick auf die verschiedenen Qualitätsparameter der Pflanzenöle über die Jahre optimiert worden, um ein organoleptisch einwandfreies Öl zu erhalten, das gleichzeitig möglichst geringe Anteile an unerwünschten Stoffen, wie Transfettsäuren oder Pflanzenschutzmittelrückstände enthält. Dadurch sind einer drastischen Änderung der Prozessbedingungen oder einem Verzicht auf den Raffinationsprozess im Hinblick auf die Erhaltung einer gewohnt hohen Qualität der Pflanzenöle enge Grenzen gesetzt.


mehr dazu unter Hintergründe

Positionspapier der europäischen Ölmühlenindustrie zur 3-MCPD-Problemaik

BMELV: 3-MCPD-Ester in fetthaltigen Lebensmitteln

BfR: Ausgewählte Fragen und Antworten zu 3-MCPD

CVUA: Hintergrundinformationen zu 3-MCPD-Estern

 

GVO-Importsituation und - Nulltoleranz

Rohstoffversorgung sichern – Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Futtermittel- und Lebensmittelwirtschaft erhalten

Null-Toleranz für in der EU noch nicht genehmigte GVO bedroht Versorgung mit Agrarrohstoffen
In den USA werden ab der nächsten Anbausaison neue gentechnisch veränderte (GV-) Soja-Sorten in den Anbau kommen, für die in der EU noch keine Importgenehmigungen vorliegen. Für Agrarimporte in die EU gilt in diesem Fall eine Nulltoleranz, d.h. bei nachgewiesenen geringsten Spuren solcher GVO muss die gesamte Importlieferung von den europäischen Behörden zurückgewiesen bzw. vom Markt genommen werden....mehr

Diese Nulltoleranz gilt selbst dann, wenn das europäische Genehmigungsverfahren für die GVO weit fortgeschritten ist und die EFSA bereits eine positive Sicherheitsbewertung abgegeben hat. 

Nach den USA werden bald auch Brasilien und Argentinien die neuen GV-Sojasorten anbauen, für die in der EU noch keine Genehmigungen vorliegen. Agrarökonomen rechnen damit bereits 2009.  

In der Lebensmittelwirtschaft führten in der jüngsten Vergangenheit Spureneinträge von in der EU noch nicht zugelassenem Reis in Reisprodukten zu erheblichen wirtschaftlichen Schäden durch Produktrückrufe und Vermarktungsverbote. Mittlerweile ist eines der Produkte, der LL601-Reis, in den USA zugelassen, und für LL62-Reis liegt eine positive Bewertung durch die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) vor. Nichtsdestotrotz würden Spureneinträge dieser Reissorten in europäischen Importlieferungen heute die gleichen Behördenreaktionen, Rückrufaktionen und damit verbundenen wirtschaftlichen Schäden nach sich ziehen.  

Auch wenn versucht wird, neue GV-Sorten in den Herkunftsländern gezielt so zu kanalisieren, dass sie nicht in die EU-Exportkanäle gelangen, können geringfügige Vermischungen nicht völlig ausgeschlossen werden. Die Einhaltung einer Nulltoleranz kann im internationalen Handel mit Agrarrohstoffen nicht garantiert werden.  

Importeure werden das finanzielle Risiko, dass Schiffsladungen zurückgewiesen werden, nicht auf sich nehmen. Insbesondere Soja-Importe aus den betroffenen Anbauländern werden zum großen Teil wegfallen. Aus dem gleichen Grund sind 2007 bereits die Einfuhren der EU an Maiskleberfutter von vormals bis zu 5 Millionen Tonnen auf Null gesunken.  

Bei einer Unterbrechung vor allem der Sojabohnen- und Sojaschrotimporte aufgrund fehlender Zulassungen kann die Nachfrage der deutschen Veredelungswirtschaft nach proteinhaltigen Futtermitteln nicht mehr gedeckt werden. Der Preis für Sojaschrot könnte schon 2009 um 60 Prozent steigen (Studie der EU-Landwirtschaftsdirektion). Ähnliche Auswirkungen sind für die Lebensmittelwirtschaft zu erwarten, wo unter anderem die Versorgung mit Sojaöl und Sojalecithin betroffen wäre.   

Dies führt im internationalen Vergleich zu Wettbewerbsnachteilen, unter anderem für die deutschen Fleischerzeuger. In der Hähnchen- und Schweinemast entfallen über 50 Prozent der Produktionskosten auf die Futtermittel. Diese Branchen wären daher besonders betroffen. Laut einer Analyse der EU-Landwirtschaftsdirektion könnte die Produktion von Schweinefleisch bis 2010 aufgrund der beschriebenen Problematik um bis zu 35 Prozent zurückgehen, die Produktion von Hähnchenfleisch sogar um bis zu 44 Prozent.

Folgen für die Futtermittel- und Lebensmittelwirtschaft: 
Bei anhaltend ungleichen rechtlichen Rahmenbedingungen wird die deutsche und europäische Futtermittel- und Lebensmittelwirtschaft auf dem Weltmarkt keine Rohstoffe mehr beziehen bzw. nicht mehr konkurrenzfähig produzieren können.  

Die Veredelung wird mittel- bis langfristig aus Europa abwandern. Europa wird Schweine- und Hähnchenfleisch zunehmend importieren müssen, beispielsweise aus Südamerika.

Lösungsvorschläge:
Schnellere Genehmigungsverfahren:
Die europäischen Genehmigungsverfahren für gentechnisch veränderte Agrarrohstoffe (GVO) müssen deutlich beschleunigt werden, bei gleichbleibend hohen Sicherheitsstandards.

Schwellenwert:
Benötigt wird ein Toleranzschwellenwert für geringe Anteile in der EU noch nicht zugelassener GVO, für den sich unter anderem auch EU-Agrarkommissarin Mariann Fischer Boel und das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) bereits ausgesprochen haben. Der Schwellenwert soll nicht für ungeprüfte GVO gelten, sondern nur für solche GVO, deren Sicherheit bereits behördlich bestätigt wurde, für die beispielsweise eine positive Sicherheitsbewertung der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) vorliegt oder die bereits in anderen Ländern für sicher befunden und genehmigt wurden. Die Festlegung eines solchen Schwellenwertes wäre in der EU prinzipiell nicht neu. Für einen Übergangszeitraum von drei Jahren nach Einführung der aktuellen EU-Verordnungen für gentechnisch veränderte Lebens- und Futtermittel war bereits ein Toleranzschwellenwert von 0,5 Prozent für noch nicht EU-genehmigte GVO in Kraft. Im Hinblick auf die Festlegung von Schwellenwerten könnte sich die EU an der Schweiz orientieren, die einen Toleranzschwellenwert in Höhe von 0,5 Prozent für Lebensmittel festgelegt hat und voraussichtlich in Kürze einen Schwellenwert von 0,9 Prozent für Futtermittel verabschieden wird.
Als Mindestvoraussetzungen für die Sicherheitsbewertung in Drittländern können vor allem  die im Rahmen des Codex Alimentarius erstellten Empfehlungen herangezogen werden, die voraussichtlich im Juli 2008 verabschiedet werden. Eine internationale Angleichung der Standards für die Sicherheitsbewertung von GVO findet bereits seit einigen Jahren insbesondere im Rahmen des Codex Alimentarius statt. Die EU beteiligt sich an dieser Initiative.

HINTERGRUND:
Versorgung der EU mit Futter- und Lebensmittelrohstoffen

Einfuhren proteinhaltiger Futtermittel in die EU
Von den im Jahr 2007 in der EU verbrauchten 57 Mio. Tonnen proteinhaltiger Futtermittel entfallen nur 22 Prozent auf heimische Produktion, 78 Prozent oder 44 Millionen Tonnen müssen importiert werden. Der Sojaschrotverbrauch beläuft sich auf 36,5 Mio. Tonnen, wovon 24 Mio. Tonnen oder 66% importiert werden. Weitere 11,5 Mio. Tonnen oder 32% werden in der EU aus importierten Sojabohnen (s.u.) hergestellt. Weniger als 1 Mio. Tonnen oder lediglich 2% des verbrauchten Sojaschrots werden dagegen aus in der EU geernteten Sojabohnen erzeugt.  

Deutsche Veredelungsbetriebe verfüttern pro Jahr zirka fünf Millionen Tonnen Sojaschrot, das zu fast 100 Prozent importiert oder aus importierten Sojabohnen hergestellt wird. Die Importe stammen hauptsächlich aus Nord- und Südamerika. Die Sojaschrotimporte belaufen sich auf 3,2 Mio. Tonnen, zusätzlich werden 3,4 Mio. Tonnen importierte Sojabohnen zu 2,7 Mio. Tonnen Sojaschrot verarbeitet, von denen etwa 1 Mio. Tonnen wieder in andere EU-Länder exportiert werden. Der Sojaölverbrauch in Deutschland beträgt knapp 900.000 Tonnen.

Einfuhren von Sojabohnen für die Ernährungs- und Futtermittelindustrie
2007 wurden 15,7 Mio. Tonnen Sojabohnen in die EU 27 importiert. Daraus wurden neben Sojaschrot ca. 3 Mio. Tonnen Sojaöl zuzüglich wichtiger Nebenprodukte wie Lecithin für die Ernährungsindustrie gewonnen. Darüber hinaus wurden knapp 1 Mio. Tonnen Sojaöl in die EU importiert. Der Sojaölverbrauch in Deutschland beträgt knapp 900.000 Tonnen.

Sinkende Marktmacht Europas als Agrarimporteur
Die Marktmacht Europas im internationalen Agrarhandel nimmt seit vielen Jahren kontinuierlich ab, zum Beispiel zugunsten Chinas, das als Importeur eine immer wichtigere Rolle spielt. Dadurch sinkt die Bedeutung der europäischen Nachfrage. Die europäischen Importeure werden einen generellen Verzicht auf den Anbau bestimmter Sorten in den Herkunftsländern und im gesamten Welthandel nicht durchsetzen können.  

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