15. September 2011 09:06 Alter: 6 Jahr/e

Eiweißstrategie Futtermittel: Die Rolle von Soja und Raps als Proteinfuttermittel in Deutschland und Europa

Derzeit beschäftigen sich agrarpolitische Diskussionen verstärkt mit den weltweiten agrarischen Flächennutzungskonkurrenzen und deren Auswirkungen. Im Zentrum der Kritik steht u. a. die starke Abhängigkeit von Sojaimporten zur Sicherstellung der Proteinfuttermittelversorgung in Europa und den damit verbundenen ökologischen und sozialen Folgen in den Herkunftsländern. Hintergrund der Kritik ist die ablehnende Haltung gegenüber GVO-Soja, das per se als nicht nachhaltig eingestuft wird. Die Sojaproduktion in Südamerika wird vor allem mit der Regenwaldzerstörung und mit hohen Pestizidaufwendungen in Verbindung gebracht. Diese Stoßrichtung wird durch die Etablierung des Labels „Ohne Gentechnik“ im Lebensmittelsektor und die daran geknüpften Kriterien verstärkt. Die Anti-Soja-Stimmung verfängt immer mehr auf politischer Ebene und schlägt sich bereits in entsprechenden politischen Initiativen nieder.

Um eine globale und langfristige Betrachtung bemüht und unter Berücksichtigung mitunter nicht dargestellter Zusammenhänge kommt OVID Verband der ölsaatenverarbeitenden Industrie in Deutschland e.V. zu folgenden Schlussfolgerungen:

1. Ölsaaten wie Sojabohnen, Rapssaaten und Sonnenblumenkerne sind Rohstoff für die Produktion hochwertiger pflanzlicher Öle. Bei der Ölherstellung liefern sie als Kuppelprodukte eiweißreiche Ölschrote. Diese Ölschrote stellen eine wesentliche Säule der Versorgung mit Proteinfuttermitteln in Europa dar. Sojaschrot ist weiterhin das wichtigste in der europäischen Tierfütterung eingesetzte Proteinfuttermittel. Zugleich trägt Rapsschrot in den letzten Jahren zur deutlichen Steigerung des Anteils einheimisch produzierter Eiweißfuttermittel bei.

2. Einheimische Körnerleguminosen hingegen tragen aufgrund fehlender ökonomischer Attraktivität nur marginal zur Versorgung mit Proteinfuttermitteln bei. Sie sind trotz tierernährerischer Wertschätzung in ihrer Eiweißwertigkeit Raps- und Sojaschrot unterlegen. Sie verfügen aufgrund ihrer hohen Anfälligkeit gegenüber Pilzerkrankungen und Pflanzenschädlingen über eine zu geringe Ertragsstabilität und sind großen Schwankungen in den jährlichen Ertragserwartungen unterworfen.

3. Aufgrund pflanzenbaulicher Beschränkungen lässt sich eine europäische „Eiweißlücke“ daher nicht durch die Ausweitung des Anbaus von Körnerleguminosen schließen.

4. Eine Steigerung der Erzeugung von Körnerleguminosen müsste aufgrund begrenzter Flächen zu Lasten europäischer Hochertragskulturen gehen. Hierzu zählen insbesondere Weizen- und Rapsstandorte. Für diese Kulturen stellt Europa als vorzügliche Gunstlage die wichtigste Anbauregion mit den weltweit höchsten Flächenerträgen dar.

5. Eine Einschränkung des Weizenanbaus in Europa zugunsten von Körnerleguminosen würde in eine Weizenproduktionslücke und damit in eine Verringerung des EU-Exportpotenzials münden. Eine Weizenproduktionslücke könnte nicht mit der gleichen Flächeneffizienz wie in Europa durch den Anbau in anderen Ländern der Welt kompensiert werden.

6. In einer hochgradig arbeitsteilig organisierten Weltwirtschaft sichert die internationale Spezialisierung bei der Produktion von Hochertragskulturen eine effiziente Flächennutzung und die Ausschöpfung der Produktionspotenziale.

7. Voraussetzung hierfür ist ein nachhaltiger Anbau, der einen verantwortungsvollen Umgang mit wertvollen Ökosystemen sicherstellt. Mit Hilfe von Zertifizierungssystemen wie ISCC, RTRS oder Soja Plus kann beispielsweise eine nachhaltige Produktion von Soja vorangetrieben werden.

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