Welternährung
<toggleview>Ernährung nachhaltig sichern - durch reale Weltmarktpreise für Agrarrohstoffe
Executive Summary
01. Die Preise für Ölsaaten und Getreide sind seit den Höchstständen im 1. Halbjahr 2008 um mehr als 40 Prozent gesunken. Die Ursache dafür sind...mehr
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signifikante Produktionsausweitungen als Antwort auf die vorübergehend aufgetretene Engpasssituation. Missernten, erhöhter Fleischkonsum in Indien und China, Spekulationen auf den Agrarmärkten sowie die Nachfrage nach Bioenergie hatten zu starken Preisschüben geführt. Diese kehren sich jetzt in ihr Gegenteil um, womit auch klar ist: Der oftmals behauptete Zusammenhang zwischen erhöhtem Bioenergiebedarf und höheren Rohstoffpreisen existiert in dieser Form nicht.
02. Mit sinkenden Preisen wächst allerdings die Gefahr, agrar- und entwicklungspolitische Fehler der Vergangenheit zu wiederholen. Ein angemessenes Preisniveau mit entsprechenden Erlösen auf der Erzeugerseite gibt Entwicklungsländern die Chance, notwendige Strukturanpassungen vorzunehmen (besseres Saatgut, modernes Gerät, Verkehrsinfrastruktur etc.). Durch die subventionierten Agrarexporte der Industrie- in die Entwicklungsländer wurden die dortigen Preise in den letzten Jahren bzw. Jahrzehnten auf ein deutlich zu niedriges Niveau abgesenkt. Eine Preiskorrektur für Agrarprodukte in Richtung eines realen Weltmarktniveaus ist unabdingbar, um vor allem Kleinbauern in Entwicklungsländern notwendige Produktionsanreize zu bieten.
03. In Phasen überschüssiger Agrarproduktion können Biokraftstoffe als eine Art „Überschussventil“ fungieren, indem sie die nicht für Nahrungsmittel benötigten Mengen aufnehmen. Allerdings sind dafür auch verbindliche politische Rahmenbedingungen, z.B. in Form von Quotenvorgaben notwendig, um entsprechendes unternehmerisches Handeln zu entfalten und Vertrauensschutz zu gewährleisten. Als grundlegend falsch betrachten wir eine Politik, die Biokraftstoffquoten auf Basis emotionaler Kurzschlusshandlungen nach unten zu drücken versucht.
04. Falls es hingegen zu unerwarteten Engpässen in der Nahrungsmittelversorgung, z.B. infolge von Missernten, kommen sollte, hat nach Überzeugung des OVID die Verwendung von Agrarprodukten für die Nahrungsmittelproduktion eindeutig Vorrang. „Food first“ ist auch unsere Devise. Dazu bedarf es entsprechender „Ausstiegsklauseln“ im Sinne eines vorübergehenden Einfrierens von Biokraftstoffquoten. Die Europäische Kommission beabsichtigt ohnehin, mit Hilfe eines Monitorings die Angebots- und Nachfragemärkte zu beobachten, um notfalls lenkend eingreifen zu können.
05. Der vermeintliche Gegensatz „Tank versus Teller“ ist irreführend. Zum einen gehen lediglich 3 Prozent der weltweit produzierten Ölsaaten in die Erzeugung von Biokraftstoffen. Zum anderen wird ein nicht unerheblicher Teil der Raps- oder Maisernten zur Herstellung von Futtermitteln verwendet. Da die Menschen in Entwicklungs- und Schwellenländern mehr Fleisch essen als früher, steigt auch der Bedarf an Futtermitteln. Tatsächlich geht es also nicht um zwei, sondern um drei alternative Verwendungswege („Teller“, „Trog“ und „Tank“), die miteinander in Einklang gebracht werden müssen. Dazu wollen die Unternehmen der ölsaatenverarbeitenden Industrie ihren Beitrag leisten.</togglearea>
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