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Sojaanbau in Deutschland auf Erfolgskurs: Importe weiter unverzichtbar

Der deutsche Sojaanbau steigt. Dennoch bleiben Importe die tragende Säule, um den Bedarf an Eiweißfuttermitteln zu decken.


Berlin, 17. August 2017.Zahlreiche Medien berichteten zuletzt über die großen Steigerungen der Sojaanbaufläche in Deutschland von 7.500 Hektar in 2013 auf 15.800 Hektar in 2016 und damit einer Verdopplung in nur drei Jahren. Diese Entwicklung zeigt die gestiegene Nachfrage nach heimischem, gentechnikfreiem Soja. Die Ölmühlenindustrie hat diesen Trend erkannt und Verarbeitungskapazitäten für gentechnikfreie Sojabohnen geschaffen. Aktuelle Zahlen von OVID Verband der ölsaatenverarbeitenden Industrie in Deutschland geben einen Überblick zur erzeugten Sojamenge und des Bedarfs in Deutschland....mehr

Gegenwärtig verbraucht Deutschland 4,2 Millionen Tonnen Sojaschrot. Dies wird zum Großteil über Importe von Sojabohnen aus Nord- und Südamerika abgedeckt. In den deutschen Ölmühlen werden die Bohnen zu Öl und Schrot weiterverarbeitet. Das Schrot eignet sich besonders für die Fütterung von Schweinen und Geflügel, da es qualitativ hochwertiges Eiweiß mit wertvollen Aminosäuren sowie viel Energie liefert. Aus den in Deutschland selbst geernteten Mengen an gentechnikfreien Sojabohnen könnten nach Berechnungen von OVID rund 0,03 Millionen Tonnen Sojaschrot gewonnen werden. „Diese Mengen bilden damit einen neu geschaffenen Markt, um die Nachfrage nach „ohne Gentechnik“ im Tierfutter zu decken. Im Moment können sie aber nur etwa 1 Prozent unseres Gesamtbedarfes an Eiweißfuttermitteln hierzulande decken“, sagt Petra Sprick, Geschäftsführerin von OVID. „Und um es plastischer zu machen: Unsere Soja-verarbeitenden Ölmühlen bräuchten rein theoretisch gerade einmal vier Tage, um die deutsche Sojabohnenernte komplett zu verarbeiten“.

Gleichwohl stellt die Sojabohne vor allem in Süddeutschland für Landwirte eine zunehmend wirtschaftlich interessante Ackerkultur dar. Im Gegensatz zu anderen stickstoffbindenden Leguminosen liefert sie zusätzlich Öl. Durch die vorhandenen Ölmühlenkapazitäten für gentechnikfreies Soja stehen dem Landwirt – anders als bei Lupinen, Erbsen und Ackerbohnen – gesicherte Absatzwege zur Verfügung. Damit ist ein heimischer Markt für Futtermittel zur Erzeugung tierischer Lebensmittel „ohne Gentechnik“ entstanden.

In der Europäischen Union ist der Sojaanbau weiter voran geschritten. Im Jahr 2016 wurden nach Angaben von Oil World 2,5 Millionen Tonnen Sojabohnen geerntet. Dies entspricht 2,0 Millionen Tonnen Sojaschrot. Hauptanbauländer sind Italien, Frankreich und Rumänien; sie produzieren mehr als zwei Drittel der europäischen Ernte. Laut OVID könnte die komplette EU-Ernte etwa 48 Prozent des deutschen Sojabedarfs decken – sofern die Mengen vollständig dem deutschen Futtermittelmarkt zur Verfügung stehen würden.

Petra Sprick dazu: „Trotz Steigerungen beim deutschen Sojaanbau bleiben Importe weiterhin die tragende Säule für die Versorgung mit Eiweißfuttermitteln. Deshalb muss die Losung lauten: Bei importiertem Soja auf Nachhaltigkeit setzen! Dieser Realität sollte sich auch die Politik stellen und die Errungenschaften der agrarwirtschaftlichen Wertschöpfungskette mit ihren zahlreichen Nachhaltigkeitsinitiativen wie zum Beispiel den FEFAC-Leitlinien für mehr nachhaltig zertifiziertes Soja anerkennen“.

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Deutschland, (k)ein Sonnenblumenland?

Beliebt als Öl in der Küche, begehrt als Schrot im Tierfutter: Sonnenblumen sind geschätzte Ackerfrucht und ihre Blüte in diesen Tagen eine Wohltat für die Seele.


Berlin, 03. August 2017. Aktuell blüht die Sonnenblume in der Europäischen Union auf 4,2 Millionen Hektar. Damit ist die Pflanze im Anbau zweitwichtigste Ölfrucht in Europa hinter Raps mit 6,5 Millionen Hektar. Die EU-Kommission geht in diesem Jahr von einer Sonnenblumenernte in Höhe von 9 Millionen Tonnen aus – ein Plus von 5 Prozent zum Vorjahr. ...mehr

In Deutschland ist vor allem das Öl der Sonnenblume begehrt, das reich an Vitamin E und ungesättigten Fettsäuren ist. Etwa 3,8 Kilogramm verbraucht jeder Deutsche jährlich in Form von Speiseöl, Margarine oder auch Frittieröl etwa für Pommes. Nach Raps- ist Sonnenblumenöl beliebtestes Speiseöl der Deutschen. “Das ist wie bei den Pandabären: Allein das Bild der Sonnenblume erweckt in uns schon ein positives Gefühl und beeinflusst somit unsere Kaufentscheidung“, so Wilhelm F. Thywissen, Präsident von OVID Verband der ölsaatenverarbeitenden Industrie in Deutschland.

In voller Pracht steht die Sonnenblume in Deutschland derzeit auf rund 20.000 Hektar – das entspricht in etwa der Größe des heimischen Sojaanbaues. Zum Vergleich: Raps gedeiht hierzulande auf rund 1,2 Millionen Hektar. „Sonnenblumen besetzen im deutschen Anbau eher eine Nische. Das liegt vor allem am feucht-kühlen Klima in unseren Breiten. Umso wichtiger ist daher der Import der Saaten aus unseren europäischen Nachbarländern“, so Thywissen.

Deutschland importierte im letzten Jahr rund 350.000 Tonnen Sonnenblumensaaten. Ein Großteil der Ware kam aus Ungarn oder Frankreich. Bei der Verarbeitung der Saaten durch die Ölmühlen entsteht neben Sonnenblumenöl als Koppelprodukt auch Schrot, das als hochwertiges Eiweißfutter überwiegend an Rinder und Geflügel verfüttert wird. In der gesamten Tierfütterung kamen im letzten Jahr rund 314.000 Tonnen Sonnenblumenschrot zum Einsatz.

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Ohne Soja und Raps geht es nicht

Soja war 2016 wichtigstes Eiweißfuttermittel in Deutschland. Rapsschrot legte an Bedeutung zu und knackte erstmals die 4 Millionen Tonnen Marke. Körnerleguminosen spielen weiterhin kaum eine Rolle.


Berlin, 27. Juli 2017. Vergangenes Jahr verfütterten deutsche Landwirte erstmals 4,0 Millionen Tonnen Rapsschrot – so viel wie noch nie. Damit verfestigt Raps seinen Status als bedeutendstes heimisches Eiweißfuttermittel. Den Spitzenplatz bei den Eiweißfuttermitteln belegt dagegen nach wie vor das proteinreiche Sojaschrot, dessen Verbrauch im Jahr 2016 laut aktuellen Zahlen von Oil World 4,2 Millionen Tonnen betrug. Landwirte setzen beide Ölschrote ein, um den Bedarf an hochwertigem Eiweiß von Rindern, Schweinen und Geflügel tier- und leistungsgerecht zu decken....mehr

Derzeit stammen zwei Drittel aller in Deutschland verbrauchten Eiweißfuttermittel aus Importen. Mittelfristig bleiben damit Soja-Einfuhren aus Nord- und Südamerika weiterhin die tragende Säule für die deutsche Versorgung mit Eiweißfuttermitteln. Gemessen an seinem qualitativ hochwertigen Eiweiß mit wertvollen Aminosäuren sowie seinem Energiegehalt ist Sojaschrot anderen eiweißliefernden Rohstoffen überlegen. Gerade Legehennen, Hähnchen oder Puten sind auf dieses hochwertige Eiweiß angewiesen. Zudem haben die Unternehmen der agrarwirtschaftlichen Wertschöpfungskette in der Vergangenheit große Anstrengungen unternommen, damit mehr und mehr nachhaltig zertifiziertes Soja nach Europa gelangt.

Gleichzeitig gewinnt Raps immer mehr an Bedeutung: Seit 2004 hat sich der Verbrauch an Rapsschrot in Deutschland von 2,0 auf 4,0 Millionen Tonnen verdoppelt. „Dieser beeindruckende Zuwachs ist ein positiver Nebeneffekt der heimischen Biodiesel-Produktion. Die Zahlen belegen: Raps ist keine reine ‚Energiepflanze‘, wie fälschlicherweise oft unterstellt wird. Vielmehr fällt bei der Herstellung von Biodiesel auf Ebene der Ölmühlen zu 60 Prozent Futter sowie zusätzlich Glycerin an, das in Zahnpasta oder Kaugummi zu finden ist. Zwei Drittel der Rapssaaten werden damit außerhalb des energetischen Sektors genutzt!“, betont Wilhelm F. Thywissen, Präsident von OVID Verband der ölsaatenverarbeitenden Industrie in Deutschland.

Daneben nimmt der Anbau alternativer Eiweißquellen zu: Neben Soja aus dem Donauraum sind dies die viel diskutierten heimischen Körnerleguminosen wie Futtererbse, Ackerbohne und Lupine. Zahlen von Oil World belegen, dass die Ernte von Körnerleguminosen in den Jahren bis 2014 mit knapp 0,3 Millionen Tonnen nahezu unverändert blieb. Erst die Greening-Vorgaben ab 2015 brachten neue Impulse zur Ausweitung des Anbaus, sodass die Produktionsmenge in 2016 auf 0,5 Millionen Tonnen stieg.

Thywissen dazu: „Im Unterschied zu den politisch und medial gehypten heimischen Körnerleguminosen sind Ölsaaten in der Fläche deutlich effizienter und liefern zusätzlich Pflanzenöl. Das gewonnene Öl ist ein begehrter Rohstoff nicht nur für Lebensmittel, sondern auch für die chemische Industrie.“

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Dumpingimporte bedrohen europäische Biodieselindustrie und Wertschöpfungskette

Gemeinsame Pressemitteilung von Ufop, VDB und OVID

Berlin, 26. Juli 2017. Die deutsche und europäische Biodieselindustrie steht vor dramatischen Absatzeinbrüchen, sollten die derzeit bestehenden Schutzzölle der Europäischen Union (EU) gegen unfair geförderten argentinischen und indonesischen Biodiesel stark abgesenkt werden. Am morgigen Donnerstag treffen sich Vertreter der EU-Mitgliedsstaaten und der EU-Kommission, um über diese Frage zu beraten....mehr

Bisher verhindern Anti-Dumping-Zölle der EU, dass Biodiesel aus Argentinien und Indonesien nach Europa gelangt. Nach einem aktuellen Vorschlag der Europäischen Kommission sollen diese so drastisch verringert werden, dass der Schutz aufgegeben wird. Die Absenkung hätte weitreichende Folgen für die europäische Landwirtschaft und Ölmühlen, die vor allem Raps- und das Rapsöl an die Biokraftstoffindustrie liefern. Damit sind rund 120.000 Arbeitsplätze in Europa bedroht. „Die deutsche Biodieselindustrie fordert die EU-Kommission auf, unfaire Handelsmaßnahmen wirksam zu bekämpfen, so wie dies im Abschlussdokument des G20-Gipfels vor wenigen Tagen auch Argentinien und Indonesien zugesagt haben. Jetzt ist die Zeit, den Worten auch Taten folgen zu lassen“, sagte Elmar Baumann, Geschäftsführer des Verbandes der Deutschen Biokraftstoffindustrie (VDB). Die Gefahr für die europäische Biodieselindustrie wird dadurch verschärft, dass die USA ab August 2017 Anti-Dumping-Maßnahmen gegen argentinischen Biodiesel ergreifen wollen. Dadurch dürfte der Druck aus Argentinien auf den europäischen Markt zunehmen.

Auch die deutsche und europäische Selbstversorgung mit Futtereiweiß würde verringert, wenn mehr Biodiesel aus Argentinien und Indonesien den hierzulande produzierten Biokraftstoff verdrängen würde. Denn bei der Biodieselproduktion entsteht als Koppelprodukt eiweißreiches Tierfuttermittel. So fallen bei der Rapssaat rund 60 Prozent als Rapsschrot für die Tierfütterung an, 40 Prozent ist Rapsöl, das zu Biodiesel verarbeitet werden kann. „Der Biodieselmarkt in der EU nimmt etwa 75 Prozent der Rapsölproduktion auf und ist damit der wichtigste wirtschaftliche Faktor für den Anbau von nachhaltig zertifiziertem Raps. Raps ist in Deutschland und Europa mit Abstand die wichtigste Blühpflanze in getreidereichen Fruchtfolgen und zugleich bedeutendste heimische gentechnikfreie Eiweißquelle“, sagte Stephan Arens, Geschäftsführer der Union zur Förderung von Oel- und Proteinpflanzen (Ufop). Die Selbstversorgung mit Eiweißfuttermitteln ist aufgrund der Biodieselproduktion in Deutschland und Europa in den letzten Jahren von einem sehr niedrigen Niveau auf über 50 Prozent gestiegen. Diese Entwicklungen würden aufgegeben, wenn die Kommission zulässt, dass durch Dumping geförderter Biodiesel auf die hiesigen Märkte gelangt. „Nicht auszudenken was passiert, wenn der wirkungsvolle Außenschutz für argentinischen und indonesischen Biodiesel aufgegeben wird: Dann strömen neben dem südamerikanischen Soja-Biodiesel und Sojaschrot auch noch gewaltige Mengen von Palmöl-Biodiesel aus Indonesien ins Land und verdrängen die heimische Produktion, mit allen Konsequenzen. Solche Strukturbrüche kann niemand ernsthaft wollen“, sagte Petra Sprick, Geschäftsführerin von OVID Verband der ölsaatenverarbeitenden Industrie in Deutschland.

Argentinien und Indonesien verschaffen ihrer heimischen Biodieselindustrie einen unfairen Wettbewerbsvorteil in Form von sog. Differenzierten Exportsteuern (Differential Export Taxes / DETs). Soja- und Palmöl als Rohstoff für die Biodieselproduktion werden dabei im Inland mit so hohen Exportsteuern belegt, dass die jeweiligen heimischen Verarbeiter die Rohstoffe für die Biodieselproduktion zu im Vergleich zum Weltmarkt günstigeren Preisen beziehen können. Die Folge davon ist, dass die Biodieselexporte aus diesen Ländern gedumpt auf den Weltmarkt gelangen.

Die EU-Kommission hatte die von Argentinien und Indonesien festgelegten DETs 2013 untersucht und in der Konsequenz Anti-Dumping-Zölle auf Biodieselimporte aus diesen Ländern verhängt, die den europäischen Markt in den letzten Jahren schützten. Dagegen klagten die genannten Exportländer erfolgreich vor der Welthandelsorganisation (WTO) mit dem Ergebnis, dass die EU-Kommission jetzt beabsichtigt, die Höhe der Zölle auf ein Niveau anzupassen, das praktisch keine Außenschutzwirkung mehr hätte.

Kontakt

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Pressesprecher

Maik Heunsch
Telefon: +49 30 / 72625957

 

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