Presse

Gemeinsame Pressemitteilung von BLL, DGF und OVID

3-MCPD-Symposium: Wichtige Meilensteine zur Minimierung sind erreicht


Berlin, 26. Juni 2017. Vom 20. bis zum 21. Juni 2017 haben mehr als 200 Teilnehmer aus der Lebensmittelwirtschaft, der Wissenschaft und von Behörden aus 30 Ländern im Rahmen des Symposiums "MCPD Esters and Glycidyl Esters Analytics, Toxicology, Risk Assessment, Mitigation - Where we are today?" eine Standortbestimmung vorgenommen und sich über neue Ergebnisse und Entwick-lungen ausgetauscht. Dabei wurde deutlich, dass zehn Jahre nach dem erst-maligen wissenschaftlichen Nachweis der in Lebensmitteln unerwünschten Fettsäureester wichtige Meilensteine in der Analytik, der Toxikologie und bei der Minimierung erreicht sind. Gleichzeitig zeigte die Veranstaltung auf, dass trotz intensiver Forschung in Wissenschaft und Praxis bislang noch nicht alle Herausforderungen zufriedenstellend gelöst werden konnten. Das Symposium wurde von der Deutschen Gesellschaft für Fettwissenschaft (DGF) veranstaltet und mit maßgeblicher Unterstützung von OVID Verband der ölsaatenverarbeitenden Industrie in Deutschland und dem Bund für Lebens-mittelrecht und Lebensmittelkunde (BLL) durchgeführt....mehr

Belastbare Daten zur Risikobewertung sind für einen umfassenden gesund-heitlichen Verbraucherschutz essentiell. Im Rahmen des Symposiums wurde deutlich, dass inzwischen die drei offiziell anerkannten Analysemethoden der AOCS (American Oil Chemists Society) für 3-MCPD- und Glycidyl-Fettsäureester in Fetten und Ölen weltweit eingesetzt werden. Dies ermöglicht eine hohe Vergleichbarkeit und Belastbarkeit der Gehaltsdaten. Lebensmittelsicherheit ist für alle Akteure in der Lebensmittelproduktion zentral. "Das Symposium verdeutlichte, dass alle Beteiligten auf einem guten Weg sind: Wir kennen nun weitgehend die Bildungswege für die MCPD- und Glycidyl-Fettsäureester. Dies erlaubt es, Minimierungsstrategien gezielter weiter zu entwickeln, die auf allen Stufen der Herstellung - vom Anbau der Rohstoffe bis zum Endprodukt - wirken. Ein Ziel besteht darin, die Bildung der Vorstufen der Ester zu vermeiden. Solche Minimierungsstrategien werden zukünftig mehr an Bedeutung gewinnen", so Dr. Bertrand Matthäus, stellvertretender Leiter des Instituts für Sicherheit und Qualität bei Getreide des Max Rubner-Instituts (MRI) und Vorstandsmitglied der DGF. Dr. Birgit Christall, Wissenschaftliche Leitung beim BLL, stellte im Rahmen der Veranstaltung die BLL-Toolbox vor, die auf großes Interesse bei den Teilnehmern stieß und bereits erfolgreich in der Praxis eingesetzt wird. Die Toolbox ermöglicht es Anwendern, in Forschung und Praxis vorhandene Kenntnisse und Erfahrungen zu nutzen, um den Gehalt an 3-MCPD- und Glycidyl-Fettsäureestern in ihren Produkten entsprechend zu senken. Auch auf internationaler Ebene gibt es neue Entwicklungen zu vermelden: Das Malaysian Palm Oil Board (MPOB) kündigte im Rahmen des Symposiums an, bis 2019 einen Code of Practice zur Verringerung der Bildung der MCPD- und Glycidyl-Fettsäureester in Palmöl zu entwickeln. "Palmöl ist eines der wirtschaftlich bedeutendsten pflanzlichen Öle in der Lebensmittelproduktion. Dieses Vorhaben stellt damit einen entscheidenden Schritt für den gesundheitlichen Verbraucherschutz dar, um die unerwünschten Kontaminanten einzudämmen", kommentiert Gerhard Brankatschk, stellver-tretender Geschäftsführer von OVID. Das Symposium wurde erstmals international ausgerichtet: Aus Sicht von Gerhard Brankatschk die richtige Entscheidung, denn die Entwicklungen zeigen, dass der Umgang mit diesen unerwünschten Stoffen ein globales Thema ist.

  Mehr Klarheit brachte die Veranstaltung in Fragen der Risikobewertung: Bisher war wenig bekannt, warum die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) und der gemeinsame FAO/WHO-Sachverständigenausschuss für Lebensmittelzusatzstoffe und Kontaminanten (JECFA) zu einer unterschiedlichen tolerierbaren täglichen Aufnahmemenge (TDI) für 3-MCPD kamen. Wie sich zeigte, ist dies unterschiedlichen Berechnungsmodellen geschuldet. Derzeit überprüft die EFSA den von ihr ermittelten TDI nochmals mit Hilfe verschiedener Berechnungsmodelle. Die Veranstalter sehen hierin einen wichtigen Schritt hin zu einer realistischen Risikobewertung und damit eines entsprechenden Risiko-managements.

Das Symposium hat verdeutlicht, dass zur Minimierung der Ester zwar eine Reihe von Maßnahmen zur Verfügung steht. Diese sind jedoch sehr komplex und können nur schrittweise in die Praxis umgesetzt werden, um auch andere Anforderungen an Produktqualität und Lebensmittelsicherheit weiterhin gewährleisten zu können.

Hintergrundinformationen zu 2-MCPD-, 3-MCPD- und Glycidyl-Fettsäureestern: Die Stoffe können sich unbeabsichtigt bei Erhitzungsprozessen von Lebens-mitteln bilden. In erster Linie entstehen sie bei der Raffination pflanzlicher Speisefette und -öle. Die Raffination ist notwendig, um pflanzliche Fette und Öle genusstauglich zu machen; ca. 95 Prozent der pflanzlichen Fette und Öle werden daher raffiniert.

Die 3-MCPD-Fettsäureester wurden erstmalig Ende 2006 in raffinierten Speiseölen beschrieben, später kamen noch verwandte Verbindungen - die Glycidyl- und die 2-MCPD-Fettsäureester - hinzu. Seitdem wird kontinuierlich an den unerwünschten Fettsäureestern geforscht. So mussten zunächst entsprechende Analysenmethoden aufgebaut und festgestellt werden, in welchen Lebensmitteln diese Stoffe in welchen Konzentrationen auftreten. Außerdem musste ermittelt werden, welche toxikologische Relevanz diese Stoffe und die gefundenen Mengen überhaupt für die Verbraucher haben. Nachdem von den deutschen Behörden eine Minimierung dieser Stoffe in Lebensmitteln empfohlen wurde, haben sich Wissenschaftler und die Lebensmittelwirtschaft unverzüglich an die Arbeit gemacht, Minimierungsstrategien für die Stoffe zu entwickeln.

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Weniger Transfette in Berlinern, Krapfen und Donuts

Transfette stehen am Pranger. Ein neuer Leitfaden der Lebensmittelhersteller zeigt, wie sie aus deutschen Bäckereien nahezu verschwinden können.


Berlin, 20.06.2017. Eine Allianz aus Wirtschaft und Wissenschaft hat heute einen Praxisleitfaden für die Auswahl von Siedefetten in Bäckereien veröffentlicht. Dieser empfiehlt den backenden Betrieben etwa Donuts oder Mutzenmandeln zukünftig nur noch in transfettsäurearmen Ölen und Fetten zu backen. Der Leitfaden basiert auf einem vom Forschungskreis der Ernährungsindustrie (FEI) koordinierten Forschungsprojekt. Er ergänzt die von Lebensmittelherstellern und dem Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft angestoßene gemeinsame Initiative zur freiwilligen Minimierung von trans-Fettsäuren....mehr

Die auch als Transfette bezeichneten trans-Fettsäuren (TFA) gehören zu den unerwünschten Bestandteilen unserer Nahrung. Laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) steigt bei zu hoher TFA-Aufnahme das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) empfiehlt daher weniger als ein Prozent der Nahrungsenergie in Form von TFA aufzunehmen. Laut Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) liegt die durchschnittliche Aufnahme mit 0,66 Prozent bereits heute unterhalb dieser Empfehlung.

Bei der Herstellung von Siedegebäck kommen teilweise noch Fette mit hohen TFA-Gehalten zum Einsatz. Herkömmliche teilgehärtete Erdnussöle weisen hohe TFA-Werte auf. Sie galten in Bezug auf Hitzestabilität und Geschmack lange als alternativlos. Ein Team von Wissenschaftlern stellte im Rahmen des FEI-Projektes zwölf neue Siedefettmischungen zusammen und prüfte deren Praxistauglichkeit. Grundlage bildeten fünf am Markt erhältliche TFA-freie bzw. -reduzierte Siedefette. Ergebnis: „Unsere getesteten Berliner Pfannkuchen und Quarkbällchen schmecken auch mit den neuen Mischungen so gut wie mit herkömmlichen Fetten. Zudem enthalten sie deutlich weniger trans-Fettsäuren. Unser neuer Leitfaden unterstützt das Backgewerbe bei der Umstellung der Siedefette“, so Professor Jan Fritsche, Leiter des Forschungsprojektes, Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg und Max Rubner-Institut Kiel.

Für das Projekt wurden die neuen TFA-reduzierten Siedefettmischungen bis zu zehn Tage lang über acht Stunden auf einer Temperatur von über 165 Grad gehalten und täglich zum Sieden von Berliner Pfannkuchen und Quarkbällchen benutzt. Anschließend analysierten Experten sowie zusätzlich 120 Konsumenten in einer repräsentativen Studie das Gebäck. Die beteiligten Verbraucher stellten keine signifikanten Unterschiede beim Geruch und Geschmack der Berliner und Quarkbällchen fest.

Trans-Fettsäuren sind ungesättigte Fettsäuren, die sich sowohl auf natürlichen Wegen – im Verdauungstrakt von Wiederkäuern – als auch durch lebensmitteltechnologische Prozesse – wie bei der Teilhärtung von Pflanzenölen – bilden können. So gelangen sie in zahlreiche Lebensmittel und in die damit hergestellten Produkte. Die Europäische Kommission erwägt Höchstgehalte von TFA in Lebensmittel einzuführen. Aus deutscher Perspektive erscheint dies nicht erforderlich. Denn die Thematik ist längst als technologisch beherrscht anzusehen. Dies zeigt nicht zuletzt das vorgestellte Forschungsprojekt. In Deutschland sind die innovativen, auf pflanzlichen Ölen und Fetten basierenden transfettsäurearmen Produkte längst auf dem Markt verfügbar.

Beteiligte Organisationen:
Forschungskreis der Ernährungsindustrie e.V. (FEI), Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg (HAW Hamburg), Margarine Office Germany (IMACE), Der Backzutatenverband e.V., OVID Verband der ölsaatenverarbeitenden Industrie in Deutschland e.V., ttz Bremerhaven, Zentralverband des Deutschen Bäckerhandwerks e.V., Deutscher Konditorenbund (DKB), Verband Deutscher Großbäckereien e.V., Deutscher Schaustellerbund e.V. (DSB), Bundesverband Deutscher Schausteller und Marktkaufleute e.V. (BSM)

Projekt-Website: www.siedefette.de

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Praxisleitfaden Siedefette

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Wie Luther mit Rapsöl ein Licht aufging

Vor 500 Jahren leitete Martin Luther die Reformation ein. Zeitgleich revolutionierte die Beleuchtung mit Rapsöl Deutschland – Licht wurde erschwinglich. Archäologen haben in Wittenberg eine rund 500 Jahre alte Öllampe entdeckt.


Berlin, 22.05.2017. Bei Ausgrabungen in Wittenberg wurden Reste einer rund 500 Jahre alten Öllampe entdeckt. Laut Dr. Christian-Heinrich Wunderlich vom Landesmuseum Halle war höchstwahrscheinlich Rapsöl der Brennstoff. „Ich bin relativ sicher, dass Martin Luther solche Lampen gekannt und auch benutzt hat, denn es ist genau der Typ von Lampen, der zu Luthers Zeiten aufkam und plötzlich Allgemeingut wurde“, so Dr. Wunderlich....mehr

Beleuchtung war bis zum Mittelalter purer Luxus. Erst zu Beginn der frühen Neuzeit eroberte die Rapspflanze Europa und lieferte große Mengen Öl. Jeder konnte sich von nun an Öl zum Verbrennen in einer Lampe leisten. Rapsöl als Brennstoff erleichterte das Arbeiten im Dunklen. Das steigerte die Produktivität der Menschen. Bis dahin waren selbst einfache Handarbeiten oft ans Tageslicht gebunden. „Damals brachte Rapsöl Licht ins dunkle Mittelalter und löste eine energetische Revolution aus. Heute sichert Raps als Biodiesel die Mobilität, liefert gleichzeitig Proteinfutter für Nutztiere und schützt das Klima“, so Wilhelm F. Thywissen, Präsident von OVID Verband der ölsaatenverarbeitenden Industrie in Deutschland.

Als Erfindung der frühen Neuzeit war Raps bereits ein wichtiger nachwachsender Rohstoff. 500 Jahre später ist die Pflanze populärer denn je: Beliebtestes Speiseöl, wichtiges Eiweißfutter, klimafreundlicher Kraftstoff. Zusätzlich lockert Raps den Boden auf und ist relevante Nahrungs-quelle für Honigbienen. „Das ist gelebte Bioökonomie und entspricht den Nachhaltigkeitszielen der Vereinten Nationen“, so Thywissen. Raps blüht aktuell auf rund 1,4 Millionen Hektar. Ernteschätzungen gehen in diesem Jahr von etwa 5 Millionen Tonnen Rapssaaten aus.

Ab dem 19. Jahrhundert verdrängte Petroleum Rapsöl als Brennstoff in den Lampen. Noch heute nutzt man Petroleum in Gartenfackeln. Dr. Wunderlich: „Wie zu Luthers Zeiten ließe sich das Licht auch problemlos mit Rapsöl erzeugen“.

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Luther-Bild

OVID begrüßt neue PIK-Studie

Wetterextreme und Protektionismus sind die wahren Preistreiber beim Weizen. Nahrungsmittelpreise seit Jahren auf gleichem Niveau ‒ trotz Zunahme von Biokraftstoffen.


Berlin, 15.05.2017. Laut einer aktuellen Analyse des Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK) hatte die Nutzung von Land zur Herstellung von Biokraftstoffen in den vergangenen 40 Jahren keinen relevanten Einfluss auf die jährlichen Weizenpreise. Preistreiber seien dagegen Wetterextreme wie etwa Dürren kombiniert mit geringen Lagerbeständen sowie eine Handelspolitik der Abschottung. ...mehr

Im Rekordjahr 2016 wurden weltweit gut 750 Millionen Tonnen Weizen geerntet. Ähnliches prognostiziert die Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) für dieses Jahr. Der Weizenpreis fließt auch in den Nahrungsmittel-Preisindex (Food Price Index) der FAO. Dieser beschreibt die Entwicklung der Weltmarktpreise von 55 Agrarrohstoffen. Seit 2011 ist der Index um rund 30 Prozent gefallen. Im gleichen Zeitraum stieg die Produktion von Biokraftstoffen um rund ein Drittel. „Die anerkannten Zahlen der FAO sprechen eine eindeutige Sprache. Wer etwas anderes behauptet, bewegt sich im postfaktischem Raum“, so Wilhelm Thywissen, Präsident von OVID Verband der ölsaatenverarbeitenden Industrie in Deutschland.

Vor allem in den Jahren 2007/08 und 2010/11 schnellten die Preise für Weizen weltweit in die Höhe. Die PIK-Wissenschaftler konnten nun nachweisen, dass schwere Dürren die Preisanstiege auslösten. Exportstopps relevanter Weizennationen wie etwa Russland oder die Ukraine und höhere Lagerhaltung von Weizen verstärkten den Effekt zusätzlich.

Wichtige Mosaiksteine bei der Hungerbekämpfung sind die Vermeidung von Lebensmittelverschwendung und Ernteverlusten. Laut FAO gehen jährlich 1,3 Milliarden Tonnen an Lebensmitteln verloren. Während in den Industriestaaten Lebensmittel häufig im Müll landen, gehen sie in den Entwicklungsländern größtenteils bereits durch Ernteverluste verloren.

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OVID-Grafik Globale Nahrungsmittelpreise und Biokraftstoffproduktion als PDF

PIK-Studie - The role of storage dynamics in annual wheat prices

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