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EU-Kommission dreht Biokraftstoffen den Hahn zu

Ölmühlen-Industrie lehnt Pläne entschieden ab. Entwurf konterkariert EU-Ziele einer nachhaltigen Landwirtschaft, gefährdet die europäische Eiweißfutterversorgung und führt zu weniger Klimaschutz im Straßenverkehr.

Berlin, 30. November 2016. Den heute von der Europäischen Kommission vorgelegten Entwurf der novellierten Erneuerbaren-Energien-Richtlinie weist OVID entschieden zurück. Die Pläne sehen eine stufenweise Absenkung des Anteils konventioneller Biokraftstoffe an den Erneuerbaren Energien im Verkehrssektor von derzeit 7 auf 3,8 Prozent bis 2030 vor. „Mit diesen Plänen hat sich die EU-Kommission erneut vor den Karren der Teller-Tank-Debatte spannen lassen und verkennt die Bedeutung von Biokraftstoffen als wichtigem Rückgrat einer nachhaltigen und ausgewogenen Landwirtschaft und einem bedeutenden Standbein der Ölmühlen“, sagt Wilhelm F. Thywissen, Präsident von OVID Verband der ölsaatenverarbeitenden Industrie in Deutschland. ...mehr

Mit der Obergrenze von 7 Prozent für Biokraftstoffe aus pflanzlichen Ölen, Zucker und Stärke hat sich die EU im Jahr 2015 auf einen für alle Seiten verträglichen und angemessenen Rahmen geeinigt. Dabei war in langwierigen Debatten bereits allen ökonomischen, ökologischen und sozialen Aspekten Rechnung getragen worden. „Es bleibt unverständlich, warum die Kommission von diesem erst vor einem Jahr geschlossenen Kompromiss nun schon wieder abkehren will. Wir als Produzenten benötigen Planungssicherheit und keine Politik nach Gemütslage und Tagesform“, so Thywissen.

Ein Auslaufen konventioneller Biokraftstoffe wie Biodiesel hat fatale Folgen für Landwirtschaft und Klimaschutz. Raps als wichtiger Rohstoff liefert nicht nur Öl für Nahrungsmittel und Biodiesel sowie als Koppelprodukte Lecithin und Glycerin, sondern auch hochwertiges Eiweiß für die Fütterung von Rindern, Schweinen und Geflügel. Die Ackerfrucht verbessert darüber hinaus die Bodenqualität und ist damit unverzichtbar für eine nachhaltige Fruchtfolge. „Heimische, gentechnikfreie Eiweißfuttermittel stehen aktuell hoch im Kurs. Wenn die EU-Kommission Biokraftstoffe zum Auslaufmodell erklärt, sind zusätzliche Importe von Soja notwendig, um den Bedarf an Eiweißfuttermitteln zu decken – mit der Konsequenz von mehr Gentechnik im Tierfutter“, so Thywissen. Allein 2015 wurden durch die Verarbeitung von Raps zu Biodiesel mehr als 12 Millionen Tonnen Eiweißfuttermittel in Europa gewonnen. Das führt zu einem Selbstversorgungsgrad der Europäischen Union von 35 Prozent. Dieser wird zu mehr als der Hälfte von Rapsschrot getragen, in Deutschland sogar zu 80 Prozent. Im Falle eines kompletten Verzichts auf Biodiesel müsste die Europäische Union zusätzlich 14 Millionen Tonnen Sojabohnen aus Südamerika importieren, um die Eiweißfutter-versorgung zu decken. Das würde zu einer Ausweitung des Sojaanbaus führen mit entsprechenden Verlusten an wertvollen Regenwäldern.

Im Straßenverkehr sind Biokraftstoffe die derzeit einzig wirklich funktionierende Alternative beim Klimaschutz: 2015 ersparten sie der Atmosphäre 6,7 Millionen Tonnen Kohlendioxid. Raps-Biodiesel stößt im Schnitt 70 Prozent weniger Treibhausgase aus als fossile Kraftstoffe.

„Setzt sich die EU-Kommission mit ihren realitätsfernen Plänen durch, führt das neben einem dramatischen Rückgang des Rapsanbaus zwangsläufig zum Aus wichtiger Ölmühlenstandorte in Deutschland mit entsprechenden Verlusten an Arbeitsplätzen und Wertschöpfung“, betont Thywissen. Ölmühlen sind moderne Bioraffinerien. Der vorgelegte Entwurf zur Erneuerbaren-Energien-Richtlinie läuft politischen Bestrebungen einer verstärkten biobasierten Wirtschaft auf europäischer und deutscher Ebene zuwider, bei denen Pflanzenöle fossile Rohstoffe mehr und mehr ersetzen sollen.

OVID fordert das Europäische Parlament sowie den Rat auf, sich in den nun anstehenden Verhandlungen für den Erhalt der 7 Prozent an konventionellen Biokraftstoffen bis 2030 einzusetzen – und damit eine ausreichende Versorgung an Eiweißfuttermitteln, mehr Klimaschutz im Straßenverkehr und eine zukunftsfähige Ölmühlenwirtschaft zu fördern.

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Ölmühlen verkleinern Eiweißlücke

Kann Deutschland auf gentechnikfreies Tierfutter umstellen? OVID hat nachgerechnet. Raps leistet bereits den größten Beitrag zur Eiweißversorgung. Ein kompletter Verzicht auf genverändertes Soja aus Übersee wäre aber teuer und unrealistisch.

Hannover, 15. November 2016. „Eine umfangreichere Bereitstellung von gentechnikfreien Futtermitteln, wie zuletzt vom Lebensmitteleinzelhandel gefordert, wäre auf lange Sicht möglich. Das gelingt aber nur, wenn genügend Anreize wie die Anerkennung und der finanzielle Ausgleich des Mehraufwandes in der Lieferkette klar geregelt sind.“ Dies stellte Petra Sprick, Geschäftsführerin von OVID Verband der ölsaatenverarbeitenden Industrie in Deutschland zum Messeauftakt der EuroTier in Hannover heute fest. Sprick weiter: „Zusätzlich benötigen wir einen stärkeren Anbau von Raps und Soja in Europa sowie höhere Importmengen an zertifiziertem nicht-gentechnisch veränderten Soja. Ein vollständiger Verzicht auf Gentechnik im deutschen Tierfutter würde jedoch die Konkurrenz um verfügbare Agrarrohstoffe enorm verschärfen und zu erheblichen Mehrkosten führen.“ ...mehr

Jährlich verfüttern deutsche Bauern knapp 10 Millionen Tonnen Proteinfuttermittel. Darin sind etwa 3,7 Millionen Tonnen pflanzliche Rohproteine enthalten. Rund 1,3 Millionen Tonnen, also rund 35 Prozent, stammen aus heimischer Produktion. Die fehlenden 65 Prozent, auch „Eiweißlücke“ genannt, importiert Deutschland größtenteils in Form von gentechnisch verändertem Soja überwiegend aus Brasilien.

„Der Handel mit Agrarrohstoffen ist Zeichen einer effizienten Nutzung global knapp werdender Agrarflächen. Jede Pflanze hat ihre Gunstregionen auf der Welt. So gedeihen Weizen und Raps in Europa am besten und Soja in Nord- und Südamerika“, so Sprick. Nach Analyse von OVID könnte die Europäische Union rein rechnerisch eine Menge von 9,3 Millionen Tonnen gentechnikfreien Sojabohnen auf dem Weltagrarmarkt beziehen. Daraus ließen sich 7,4 Millionen Tonnen Sojaschrot zur Fütterung von Rindern, Schweinen und Geflügel gewinnen. Auch diese Menge könnte nur knapp ein Viertel der europäischen Nachfrage von jährlich 33 Millionen Tonnen Sojaschrot decken. Tatsache ist, dass inzwischen 90 Prozent der weltweit verfügbaren Sojabohnen gentechnisch verändert sind. Deutschland könnte zwar theoretisch im Alleingang auf gentechnisch veränderte Futtermittel verzichten. Dies hätte jedoch nach einer Studie des Gießener Institutes für Agribusiness (IAB) massive wirtschaftliche Einbußen von bis zu zehn Milliarden Euro zur Folge. Diese sind im Wesentlichen durch Produktionsrückgänge, der Verlagerung von Produktion ins Ausland und damit dem Verlust an Wertschöpfung begründet. Aus Sicht von OVID wäre besonders die Trennung der Warenströme zur Vermeidung von unbeabsichtigten Vermischungen mit genveränderten Pflanzen eine logistische Herausforderung, die rechtliche Risiken birgt.

Vor diesem Hintergrund wird seit einigen Jahren der europäische Soja-Anbau als heimische Alternative zum gentechnisch veränderten Proteinfuttermittel aus Übersee vorangetrieben. 2015 wuchsen knapp 2,8 Millionen Tonnen Sojabohnen in Europa. Aus dieser Menge lassen sich theoretisch rund 2,2 Millionen Tonnen Sojaschrot produzieren. Der Bedarf in Europa liegt aber mit 33 Millionen Tonnen fünfzehnmal höher. Europäisches Soja aus dem Donauraum wird seit kurzem auch bei ADM in Straubing verarbeitet. Dazu René van der Poel, General Manager der Ölmühle: “Wir stellen eine steigende Nachfrage nach gentechnikfreiem Soja in Deutschland fest. Mit der Umstellung unserer Ölmühle können wir die Bedürfnisse unserer Kunden vor allem in Süddeutschland bedienen.“

Wichtigste deutsche Eiweißfutterpflanze ist Raps. 2015 verfütterten die deutschen Bauern erstmals mehr Raps- als Sojaschrot. „Rapsschrot leistet mit einem Anteil von 80 Prozent den größten Beitrag, um die Eiweißlücke in Deutschland zu verkleinern. Ohne den deutschen Rapsanbau wäre die Lücke um ein Vielfaches größer“, so Dr. Thomas Schmidt, Leiter der Abteilung Futtermittel und Tierernährung bei OVID. Schmidt bekräftigte: „Bei aller Euphorie und den guten Entwicklungen beim Raps- und Sojaanbau in Europa bleibt es unrealistisch die deutsche Eiweißlücke vollständig zu schließen. Auch der geförderte Anbau von Körnerleguminosen kann die Situation nur marginal verbessern. Er wäre hinsichtlich einer effizienten Flächennutzung und im Sinne des Klimaschutzes auch nicht sinnvoll“.“

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Hintergrundpapier: „‘Ohne Gentechnik‘ im Tierfutter - Internationaler Handel, heimischer Anbau und Verfügbarkeiten von Proteinfuttermitteln
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Biokraftstoffe bieten Rekord-Treibhausgasminderung aber Absatz sinkt

Berlin, 05. Oktober 2016. Nach dem gestern von der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) veröffentlichten Evaluations- und Erfahrungsbericht 2015 stoßen Biodiesel und Bioethanol durchschnittlich 70 Prozent weniger Treibhausgase aus als fossile Kraftstoffe. Damit bieten Biokraft-stoffe eine große Chance für mehr Klimaschutz im Straßenverkehr. „Die jetzt veröffentlichten Zahlen zeigen deutlich: Unsere Branche leistet einen großen Beitrag zum Klimaschutz. Leider nutzt die Bun-desregierung das Potential von Biokraftstoffen nicht aus“, so Petra Sprick, Geschäftsführerin des Verbandes der ölsaatenverarbeitenden Industrie in Deutschland (OVID). ...mehr

Aufgrund der deutschen Gesetzgebung ist der Absatz von Biodiesel und Bioethanol hierzulande im vergangenen Jahr um 8,6 Prozent gesunken. Der Anteil erneuerbarer Energien im Straßenverkehr ist damit auf einem langjährigen Tiefpunkt angelangt. „Die deutsche Klimapolitik im Straßenverkehr ver-sagt eklatant, denn sie hat zu einer Steigerung des Marktanteils fossiler Kraftstoffe geführt. Biokraft-stoffe werden aus dem Markt gedrängt“, sagte Elmar Baumann, Geschäftsführer des Verbandes der Deutschen Biokraftstoffindustrie (VDB). Deutschland fördert erneuerbare Kraftstoffe, indem die Mineralölindustrie verpflichtet ist, den Treibhausgas-Ausstoß von Benzin und Diesel zu senken. Hierzu können die Mineralölunternehmen zum Beispiel Biodiesel oder Bioethanol beimischen. Im Jahr 2016 muss der Treibhausgasausstoß um 3,5 Prozent gesenkt werden, ab 2017 um vier Prozent und ab 2020 um sechs Prozent. Da Biokraftstoffe heute sehr viel höhere Emissionsreduktionen erreichen als ursprünglich vom Gesetzgeber angenommen, muss die Mineralölindustrie immer weniger Biodiesel und Bioethanol einsetzen, um ihre Reduktionsverpflichtung zu erreichen. „Die neuen Zahlen der BLE belegen, dass bei den gesetzlichen Rahmenbedingungen nachgesteuert werden muss. Die Treibhausgas-Quote kann und muss schrittweise angehoben werden“, sagte Sprick.

Die Bundesregierung sieht bis zum Jahr 2030 einen Anteil von 20 Prozent Erneuerbare Energien im Verkehr vor, um die langfristigen Klimaziele erreichen zu können. Hierfür werden neben den heutigen Biokraftstoffen, deren Verfügbarkeit begrenzt ist, weitere Optionen wie neuartige Biokraftstoffe, E-Mobilität, Wasserstoff sowie Power-to-Gas und Power-to-Liquid benötigt. „Ein angemessener Beitrag des Straßenverkehrs zu den deutschen Klimaschutz-Verpflichtungen erfordert zwingend eine steigende Treibhausgas-Quote nach 2020. Ohne geeignete Vorgaben fehlt jeglicher Anreiz für die von der Bundesregierung favorisierte Nutzung von erneuerbarem Strom im Verkehr“, sagte Baumann. “

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Evaluations- und Erfahrungsbericht 2015 (BLE)

Soja-Moratorium in Brasilien jetzt dauerhaft

Zum Schutz brasilianischer Regenwälder wurde 2006 das Soja-Moratorium eingeführt und immer wieder verlängert. Nun gilt es unbefristet. OVID begrüßt die Entscheidung.

Berlin, 10.06.2016. Vor wenigen Wochen haben in Brasilien Pflanzenölindustrie (ABIOVE), Getreideexporteure (ANEC), Umweltministerium und Nichtregierungsorganisationen (u.a. Greenpeace und WWF) eine Vereinbarung für die unbefristete Verlängerung des Soja-Moratoriums unterzeichnet.

Das Soja-Moratorium wurde erstmals 2006 von den führenden Sojahändlern in Brasilien beschlossen, um den Raubbau im Amazonas Einhalt zu gebieten. ...mehr

Es untersagt den Handel, die Finanzierung und den Erwerb von Soja, das von Regenwaldflächen stammt, die nach Juli 2008 gerodet wurden. Auch Soja aus Indianerschutzgebieten sowie Formen der modernen Sklaverei sind tabu. Das Moratorium wurde nach 2006 immer wieder verlängert. Seit dem 9. Mai 2016 gilt es nun dauerhaft.

„Endlich ist die Hängepartie beendet. Soja aus Brasilien ist und bleibt nachhaltig. Das war überfällig. Bereits seit 10 Jahren beweist das Moratorium, dass Sojaanbau und Regenwald-schutz in Brasilien Hand in Hand gehen können“, so OVID-Präsident Wilhelm F. Thywissen.

Deutschland importierte 2015 etwa 1,3 Millionen Tonnen Sojabohnen und 1,6 Millionen Tonnen Sojaschrot aus Brasilien. Insgesamt ernteten die Brasilianer im letzten Jahr etwa 98 Millionen Tonnen Soja. Mit 40,1 Millionen Tonnen ging der größte Teil davon nach China. “

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