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Hier finden Sie aktuelle Presseinformationen zum Verband, seinen Mitgliedern sowie den Themengebieten von OVID. 

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© OVID Verband der ölsaatenverarbeitenden Industrie in Deutschland

 

Sojaanbau in Deutschland auf Erfolgskurs: Importe weiter unverzichtbar

Der deutsche Sojaanbau steigt. Dennoch bleiben Importe die tragende Säule, um den Bedarf an Eiweißfuttermitteln zu decken.


Berlin, 17. August 2017.Zahlreiche Medien berichteten zuletzt über die großen Steigerungen der Sojaanbaufläche in Deutschland von 7.500 Hektar in 2013 auf 15.800 Hektar in 2016 und damit einer Verdopplung in nur drei Jahren. Diese Entwicklung zeigt die gestiegene Nachfrage nach heimischem, gentechnikfreiem Soja. Die Ölmühlenindustrie hat diesen Trend erkannt und Verarbeitungskapazitäten für gentechnikfreie Sojabohnen geschaffen. Aktuelle Zahlen von OVID Verband der ölsaatenverarbeitenden Industrie in Deutschland geben einen Überblick zur erzeugten Sojamenge und des Bedarfs in Deutschland....mehr

Gegenwärtig verbraucht Deutschland 4,2 Millionen Tonnen Sojaschrot. Dies wird zum Großteil über Importe von Sojabohnen aus Nord- und Südamerika abgedeckt. In den deutschen Ölmühlen werden die Bohnen zu Öl und Schrot weiterverarbeitet. Das Schrot eignet sich besonders für die Fütterung von Schweinen und Geflügel, da es qualitativ hochwertiges Eiweiß mit wertvollen Aminosäuren sowie viel Energie liefert. Aus den in Deutschland selbst geernteten Mengen an gentechnikfreien Sojabohnen könnten nach Berechnungen von OVID rund 0,03 Millionen Tonnen Sojaschrot gewonnen werden. „Diese Mengen bilden damit einen neu geschaffenen Markt, um die Nachfrage nach „ohne Gentechnik“ im Tierfutter zu decken. Im Moment können sie aber nur etwa 1 Prozent unseres Gesamtbedarfes an Eiweißfuttermitteln hierzulande decken“, sagt Petra Sprick, Geschäftsführerin von OVID. „Und um es plastischer zu machen: Unsere Soja-verarbeitenden Ölmühlen bräuchten rein theoretisch gerade einmal vier Tage, um die deutsche Sojabohnenernte komplett zu verarbeiten“.

Gleichwohl stellt die Sojabohne vor allem in Süddeutschland für Landwirte eine zunehmend wirtschaftlich interessante Ackerkultur dar. Im Gegensatz zu anderen stickstoffbindenden Leguminosen liefert sie zusätzlich Öl. Durch die vorhandenen Ölmühlenkapazitäten für gentechnikfreies Soja stehen dem Landwirt – anders als bei Lupinen, Erbsen und Ackerbohnen – gesicherte Absatzwege zur Verfügung. Damit ist ein heimischer Markt für Futtermittel zur Erzeugung tierischer Lebensmittel „ohne Gentechnik“ entstanden.

In der Europäischen Union ist der Sojaanbau weiter voran geschritten. Im Jahr 2016 wurden nach Angaben von Oil World 2,5 Millionen Tonnen Sojabohnen geerntet. Dies entspricht 2,0 Millionen Tonnen Sojaschrot. Hauptanbauländer sind Italien, Frankreich und Rumänien; sie produzieren mehr als zwei Drittel der europäischen Ernte. Laut OVID könnte die komplette EU-Ernte etwa 48 Prozent des deutschen Sojabedarfs decken – sofern die Mengen vollständig dem deutschen Futtermittelmarkt zur Verfügung stehen würden.

Petra Sprick dazu: „Trotz Steigerungen beim deutschen Sojaanbau bleiben Importe weiterhin die tragende Säule für die Versorgung mit Eiweißfuttermitteln. Deshalb muss die Losung lauten: Bei importiertem Soja auf Nachhaltigkeit setzen! Dieser Realität sollte sich auch die Politik stellen und die Errungenschaften der agrarwirtschaftlichen Wertschöpfungskette mit ihren zahlreichen Nachhaltigkeitsinitiativen wie zum Beispiel den FEFAC-Leitlinien für mehr nachhaltig zertifiziertes Soja anerkennen“.

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Deutschland, (k)ein Sonnenblumenland?

Beliebt als Öl in der Küche, begehrt als Schrot im Tierfutter: Sonnenblumen sind geschätzte Ackerfrucht und ihre Blüte in diesen Tagen eine Wohltat für die Seele.


Berlin, 03. August 2017. Aktuell blüht die Sonnenblume in der Europäischen Union auf 4,2 Millionen Hektar. Damit ist die Pflanze im Anbau zweitwichtigste Ölfrucht in Europa hinter Raps mit 6,5 Millionen Hektar. Die EU-Kommission geht in diesem Jahr von einer Sonnenblumenernte in Höhe von 9 Millionen Tonnen aus – ein Plus von 5 Prozent zum Vorjahr. ...mehr

In Deutschland ist vor allem das Öl der Sonnenblume begehrt, das reich an Vitamin E und ungesättigten Fettsäuren ist. Etwa 3,8 Kilogramm verbraucht jeder Deutsche jährlich in Form von Speiseöl, Margarine oder auch Frittieröl etwa für Pommes. Nach Raps- ist Sonnenblumenöl beliebtestes Speiseöl der Deutschen. “Das ist wie bei den Pandabären: Allein das Bild der Sonnenblume erweckt in uns schon ein positives Gefühl und beeinflusst somit unsere Kaufentscheidung“, so Wilhelm F. Thywissen, Präsident von OVID Verband der ölsaatenverarbeitenden Industrie in Deutschland.

In voller Pracht steht die Sonnenblume in Deutschland derzeit auf rund 20.000 Hektar – das entspricht in etwa der Größe des heimischen Sojaanbaues. Zum Vergleich: Raps gedeiht hierzulande auf rund 1,2 Millionen Hektar. „Sonnenblumen besetzen im deutschen Anbau eher eine Nische. Das liegt vor allem am feucht-kühlen Klima in unseren Breiten. Umso wichtiger ist daher der Import der Saaten aus unseren europäischen Nachbarländern“, so Thywissen.

Deutschland importierte im letzten Jahr rund 350.000 Tonnen Sonnenblumensaaten. Ein Großteil der Ware kam aus Ungarn oder Frankreich. Bei der Verarbeitung der Saaten durch die Ölmühlen entsteht neben Sonnenblumenöl als Koppelprodukt auch Schrot, das als hochwertiges Eiweißfutter überwiegend an Rinder und Geflügel verfüttert wird. In der gesamten Tierfütterung kamen im letzten Jahr rund 314.000 Tonnen Sonnenblumenschrot zum Einsatz.

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Ohne Soja und Raps geht es nicht

Soja war 2016 wichtigstes Eiweißfuttermittel in Deutschland. Rapsschrot legte an Bedeutung zu und knackte erstmals die 4 Millionen Tonnen Marke. Körnerleguminosen spielen weiterhin kaum eine Rolle.


Berlin, 27. Juli 2017. Vergangenes Jahr verfütterten deutsche Landwirte erstmals 4,0 Millionen Tonnen Rapsschrot – so viel wie noch nie. Damit verfestigt Raps seinen Status als bedeutendstes heimisches Eiweißfuttermittel. Den Spitzenplatz bei den Eiweißfuttermitteln belegt dagegen nach wie vor das proteinreiche Sojaschrot, dessen Verbrauch im Jahr 2016 laut aktuellen Zahlen von Oil World 4,2 Millionen Tonnen betrug. Landwirte setzen beide Ölschrote ein, um den Bedarf an hochwertigem Eiweiß von Rindern, Schweinen und Geflügel tier- und leistungsgerecht zu decken....mehr

Derzeit stammen zwei Drittel aller in Deutschland verbrauchten Eiweißfuttermittel aus Importen. Mittelfristig bleiben damit Soja-Einfuhren aus Nord- und Südamerika weiterhin die tragende Säule für die deutsche Versorgung mit Eiweißfuttermitteln. Gemessen an seinem qualitativ hochwertigen Eiweiß mit wertvollen Aminosäuren sowie seinem Energiegehalt ist Sojaschrot anderen eiweißliefernden Rohstoffen überlegen. Gerade Legehennen, Hähnchen oder Puten sind auf dieses hochwertige Eiweiß angewiesen. Zudem haben die Unternehmen der agrarwirtschaftlichen Wertschöpfungskette in der Vergangenheit große Anstrengungen unternommen, damit mehr und mehr nachhaltig zertifiziertes Soja nach Europa gelangt.

Gleichzeitig gewinnt Raps immer mehr an Bedeutung: Seit 2004 hat sich der Verbrauch an Rapsschrot in Deutschland von 2,0 auf 4,0 Millionen Tonnen verdoppelt. „Dieser beeindruckende Zuwachs ist ein positiver Nebeneffekt der heimischen Biodiesel-Produktion. Die Zahlen belegen: Raps ist keine reine ‚Energiepflanze‘, wie fälschlicherweise oft unterstellt wird. Vielmehr fällt bei der Herstellung von Biodiesel auf Ebene der Ölmühlen zu 60 Prozent Futter sowie zusätzlich Glycerin an, das in Zahnpasta oder Kaugummi zu finden ist. Zwei Drittel der Rapssaaten werden damit außerhalb des energetischen Sektors genutzt!“, betont Wilhelm F. Thywissen, Präsident von OVID Verband der ölsaatenverarbeitenden Industrie in Deutschland.

Daneben nimmt der Anbau alternativer Eiweißquellen zu: Neben Soja aus dem Donauraum sind dies die viel diskutierten heimischen Körnerleguminosen wie Futtererbse, Ackerbohne und Lupine. Zahlen von Oil World belegen, dass die Ernte von Körnerleguminosen in den Jahren bis 2014 mit knapp 0,3 Millionen Tonnen nahezu unverändert blieb. Erst die Greening-Vorgaben ab 2015 brachten neue Impulse zur Ausweitung des Anbaus, sodass die Produktionsmenge in 2016 auf 0,5 Millionen Tonnen stieg.

Thywissen dazu: „Im Unterschied zu den politisch und medial gehypten heimischen Körnerleguminosen sind Ölsaaten in der Fläche deutlich effizienter und liefern zusätzlich Pflanzenöl. Das gewonnene Öl ist ein begehrter Rohstoff nicht nur für Lebensmittel, sondern auch für die chemische Industrie.“

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Dumpingimporte bedrohen europäische Biodieselindustrie und Wertschöpfungskette

Gemeinsame Pressemitteilung von Ufop, VDB und OVID

Berlin, 26. Juli 2017. Die deutsche und europäische Biodieselindustrie steht vor dramatischen Absatzeinbrüchen, sollten die derzeit bestehenden Schutzzölle der Europäischen Union (EU) gegen unfair geförderten argentinischen und indonesischen Biodiesel stark abgesenkt werden. Am morgigen Donnerstag treffen sich Vertreter der EU-Mitgliedsstaaten und der EU-Kommission, um über diese Frage zu beraten....mehr

Bisher verhindern Anti-Dumping-Zölle der EU, dass Biodiesel aus Argentinien und Indonesien nach Europa gelangt. Nach einem aktuellen Vorschlag der Europäischen Kommission sollen diese so drastisch verringert werden, dass der Schutz aufgegeben wird. Die Absenkung hätte weitreichende Folgen für die europäische Landwirtschaft und Ölmühlen, die vor allem Raps- und das Rapsöl an die Biokraftstoffindustrie liefern. Damit sind rund 120.000 Arbeitsplätze in Europa bedroht. „Die deutsche Biodieselindustrie fordert die EU-Kommission auf, unfaire Handelsmaßnahmen wirksam zu bekämpfen, so wie dies im Abschlussdokument des G20-Gipfels vor wenigen Tagen auch Argentinien und Indonesien zugesagt haben. Jetzt ist die Zeit, den Worten auch Taten folgen zu lassen“, sagte Elmar Baumann, Geschäftsführer des Verbandes der Deutschen Biokraftstoffindustrie (VDB). Die Gefahr für die europäische Biodieselindustrie wird dadurch verschärft, dass die USA ab August 2017 Anti-Dumping-Maßnahmen gegen argentinischen Biodiesel ergreifen wollen. Dadurch dürfte der Druck aus Argentinien auf den europäischen Markt zunehmen.

Auch die deutsche und europäische Selbstversorgung mit Futtereiweiß würde verringert, wenn mehr Biodiesel aus Argentinien und Indonesien den hierzulande produzierten Biokraftstoff verdrängen würde. Denn bei der Biodieselproduktion entsteht als Koppelprodukt eiweißreiches Tierfuttermittel. So fallen bei der Rapssaat rund 60 Prozent als Rapsschrot für die Tierfütterung an, 40 Prozent ist Rapsöl, das zu Biodiesel verarbeitet werden kann. „Der Biodieselmarkt in der EU nimmt etwa 75 Prozent der Rapsölproduktion auf und ist damit der wichtigste wirtschaftliche Faktor für den Anbau von nachhaltig zertifiziertem Raps. Raps ist in Deutschland und Europa mit Abstand die wichtigste Blühpflanze in getreidereichen Fruchtfolgen und zugleich bedeutendste heimische gentechnikfreie Eiweißquelle“, sagte Stephan Arens, Geschäftsführer der Union zur Förderung von Oel- und Proteinpflanzen (Ufop). Die Selbstversorgung mit Eiweißfuttermitteln ist aufgrund der Biodieselproduktion in Deutschland und Europa in den letzten Jahren von einem sehr niedrigen Niveau auf über 50 Prozent gestiegen. Diese Entwicklungen würden aufgegeben, wenn die Kommission zulässt, dass durch Dumping geförderter Biodiesel auf die hiesigen Märkte gelangt. „Nicht auszudenken was passiert, wenn der wirkungsvolle Außenschutz für argentinischen und indonesischen Biodiesel aufgegeben wird: Dann strömen neben dem südamerikanischen Soja-Biodiesel und Sojaschrot auch noch gewaltige Mengen von Palmöl-Biodiesel aus Indonesien ins Land und verdrängen die heimische Produktion, mit allen Konsequenzen. Solche Strukturbrüche kann niemand ernsthaft wollen“, sagte Petra Sprick, Geschäftsführerin von OVID Verband der ölsaatenverarbeitenden Industrie in Deutschland.

Argentinien und Indonesien verschaffen ihrer heimischen Biodieselindustrie einen unfairen Wettbewerbsvorteil in Form von sog. Differenzierten Exportsteuern (Differential Export Taxes / DETs). Soja- und Palmöl als Rohstoff für die Biodieselproduktion werden dabei im Inland mit so hohen Exportsteuern belegt, dass die jeweiligen heimischen Verarbeiter die Rohstoffe für die Biodieselproduktion zu im Vergleich zum Weltmarkt günstigeren Preisen beziehen können. Die Folge davon ist, dass die Biodieselexporte aus diesen Ländern gedumpt auf den Weltmarkt gelangen.

Die EU-Kommission hatte die von Argentinien und Indonesien festgelegten DETs 2013 untersucht und in der Konsequenz Anti-Dumping-Zölle auf Biodieselimporte aus diesen Ländern verhängt, die den europäischen Markt in den letzten Jahren schützten. Dagegen klagten die genannten Exportländer erfolgreich vor der Welthandelsorganisation (WTO) mit dem Ergebnis, dass die EU-Kommission jetzt beabsichtigt, die Höhe der Zölle auf ein Niveau anzupassen, das praktisch keine Außenschutzwirkung mehr hätte.

Gemeinsame Pressemitteilung von BLL, DGF und OVID

3-MCPD-Symposium: Wichtige Meilensteine zur Minimierung sind erreicht


Berlin, 26. Juni 2017. Vom 20. bis zum 21. Juni 2017 haben mehr als 200 Teilnehmer aus der Lebensmittelwirtschaft, der Wissenschaft und von Behörden aus 30 Ländern im Rahmen des Symposiums "MCPD Esters and Glycidyl Esters Analytics, Toxicology, Risk Assessment, Mitigation - Where we are today?" eine Standortbestimmung vorgenommen und sich über neue Ergebnisse und Entwick-lungen ausgetauscht. Dabei wurde deutlich, dass zehn Jahre nach dem erst-maligen wissenschaftlichen Nachweis der in Lebensmitteln unerwünschten Fettsäureester wichtige Meilensteine in der Analytik, der Toxikologie und bei der Minimierung erreicht sind. Gleichzeitig zeigte die Veranstaltung auf, dass trotz intensiver Forschung in Wissenschaft und Praxis bislang noch nicht alle Herausforderungen zufriedenstellend gelöst werden konnten. Das Symposium wurde von der Deutschen Gesellschaft für Fettwissenschaft (DGF) veranstaltet und mit maßgeblicher Unterstützung von OVID Verband der ölsaatenverarbeitenden Industrie in Deutschland und dem Bund für Lebens-mittelrecht und Lebensmittelkunde (BLL) durchgeführt....mehr

Belastbare Daten zur Risikobewertung sind für einen umfassenden gesund-heitlichen Verbraucherschutz essentiell. Im Rahmen des Symposiums wurde deutlich, dass inzwischen die drei offiziell anerkannten Analysemethoden der AOCS (American Oil Chemists Society) für 3-MCPD- und Glycidyl-Fettsäureester in Fetten und Ölen weltweit eingesetzt werden. Dies ermöglicht eine hohe Vergleichbarkeit und Belastbarkeit der Gehaltsdaten. Lebensmittelsicherheit ist für alle Akteure in der Lebensmittelproduktion zentral. "Das Symposium verdeutlichte, dass alle Beteiligten auf einem guten Weg sind: Wir kennen nun weitgehend die Bildungswege für die MCPD- und Glycidyl-Fettsäureester. Dies erlaubt es, Minimierungsstrategien gezielter weiter zu entwickeln, die auf allen Stufen der Herstellung - vom Anbau der Rohstoffe bis zum Endprodukt - wirken. Ein Ziel besteht darin, die Bildung der Vorstufen der Ester zu vermeiden. Solche Minimierungsstrategien werden zukünftig mehr an Bedeutung gewinnen", so Dr. Bertrand Matthäus, stellvertretender Leiter des Instituts für Sicherheit und Qualität bei Getreide des Max Rubner-Instituts (MRI) und Vorstandsmitglied der DGF. Dr. Birgit Christall, Wissenschaftliche Leitung beim BLL, stellte im Rahmen der Veranstaltung die BLL-Toolbox vor, die auf großes Interesse bei den Teilnehmern stieß und bereits erfolgreich in der Praxis eingesetzt wird. Die Toolbox ermöglicht es Anwendern, in Forschung und Praxis vorhandene Kenntnisse und Erfahrungen zu nutzen, um den Gehalt an 3-MCPD- und Glycidyl-Fettsäureestern in ihren Produkten entsprechend zu senken. Auch auf internationaler Ebene gibt es neue Entwicklungen zu vermelden: Das Malaysian Palm Oil Board (MPOB) kündigte im Rahmen des Symposiums an, bis 2019 einen Code of Practice zur Verringerung der Bildung der MCPD- und Glycidyl-Fettsäureester in Palmöl zu entwickeln. "Palmöl ist eines der wirtschaftlich bedeutendsten pflanzlichen Öle in der Lebensmittelproduktion. Dieses Vorhaben stellt damit einen entscheidenden Schritt für den gesundheitlichen Verbraucherschutz dar, um die unerwünschten Kontaminanten einzudämmen", kommentiert Gerhard Brankatschk, stellver-tretender Geschäftsführer von OVID. Das Symposium wurde erstmals international ausgerichtet: Aus Sicht von Gerhard Brankatschk die richtige Entscheidung, denn die Entwicklungen zeigen, dass der Umgang mit diesen unerwünschten Stoffen ein globales Thema ist.

  Mehr Klarheit brachte die Veranstaltung in Fragen der Risikobewertung: Bisher war wenig bekannt, warum die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) und der gemeinsame FAO/WHO-Sachverständigenausschuss für Lebensmittelzusatzstoffe und Kontaminanten (JECFA) zu einer unterschiedlichen tolerierbaren täglichen Aufnahmemenge (TDI) für 3-MCPD kamen. Wie sich zeigte, ist dies unterschiedlichen Berechnungsmodellen geschuldet. Derzeit überprüft die EFSA den von ihr ermittelten TDI nochmals mit Hilfe verschiedener Berechnungsmodelle. Die Veranstalter sehen hierin einen wichtigen Schritt hin zu einer realistischen Risikobewertung und damit eines entsprechenden Risiko-managements.

Das Symposium hat verdeutlicht, dass zur Minimierung der Ester zwar eine Reihe von Maßnahmen zur Verfügung steht. Diese sind jedoch sehr komplex und können nur schrittweise in die Praxis umgesetzt werden, um auch andere Anforderungen an Produktqualität und Lebensmittelsicherheit weiterhin gewährleisten zu können.

Hintergrundinformationen zu 2-MCPD-, 3-MCPD- und Glycidyl-Fettsäureestern: Die Stoffe können sich unbeabsichtigt bei Erhitzungsprozessen von Lebens-mitteln bilden. In erster Linie entstehen sie bei der Raffination pflanzlicher Speisefette und -öle. Die Raffination ist notwendig, um pflanzliche Fette und Öle genusstauglich zu machen; ca. 95 Prozent der pflanzlichen Fette und Öle werden daher raffiniert.

Die 3-MCPD-Fettsäureester wurden erstmalig Ende 2006 in raffinierten Speiseölen beschrieben, später kamen noch verwandte Verbindungen - die Glycidyl- und die 2-MCPD-Fettsäureester - hinzu. Seitdem wird kontinuierlich an den unerwünschten Fettsäureestern geforscht. So mussten zunächst entsprechende Analysenmethoden aufgebaut und festgestellt werden, in welchen Lebensmitteln diese Stoffe in welchen Konzentrationen auftreten. Außerdem musste ermittelt werden, welche toxikologische Relevanz diese Stoffe und die gefundenen Mengen überhaupt für die Verbraucher haben. Nachdem von den deutschen Behörden eine Minimierung dieser Stoffe in Lebensmitteln empfohlen wurde, haben sich Wissenschaftler und die Lebensmittelwirtschaft unverzüglich an die Arbeit gemacht, Minimierungsstrategien für die Stoffe zu entwickeln.

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Weniger Transfette in Berlinern, Krapfen und Donuts

Transfette stehen am Pranger. Ein neuer Leitfaden der Lebensmittelhersteller zeigt, wie sie aus deutschen Bäckereien nahezu verschwinden können.


Berlin, 20.06.2017. Eine Allianz aus Wirtschaft und Wissenschaft hat heute einen Praxisleitfaden für die Auswahl von Siedefetten in Bäckereien veröffentlicht. Dieser empfiehlt den backenden Betrieben etwa Donuts oder Mutzenmandeln zukünftig nur noch in transfettsäurearmen Ölen und Fetten zu backen. Der Leitfaden basiert auf einem vom Forschungskreis der Ernährungsindustrie (FEI) koordinierten Forschungsprojekt. Er ergänzt die von Lebensmittelherstellern und dem Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft angestoßene gemeinsame Initiative zur freiwilligen Minimierung von trans-Fettsäuren....mehr

Die auch als Transfette bezeichneten trans-Fettsäuren (TFA) gehören zu den unerwünschten Bestandteilen unserer Nahrung. Laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) steigt bei zu hoher TFA-Aufnahme das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) empfiehlt daher weniger als ein Prozent der Nahrungsenergie in Form von TFA aufzunehmen. Laut Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) liegt die durchschnittliche Aufnahme mit 0,66 Prozent bereits heute unterhalb dieser Empfehlung.

Bei der Herstellung von Siedegebäck kommen teilweise noch Fette mit hohen TFA-Gehalten zum Einsatz. Herkömmliche teilgehärtete Erdnussöle weisen hohe TFA-Werte auf. Sie galten in Bezug auf Hitzestabilität und Geschmack lange als alternativlos. Ein Team von Wissenschaftlern stellte im Rahmen des FEI-Projektes zwölf neue Siedefettmischungen zusammen und prüfte deren Praxistauglichkeit. Grundlage bildeten fünf am Markt erhältliche TFA-freie bzw. -reduzierte Siedefette. Ergebnis: „Unsere getesteten Berliner Pfannkuchen und Quarkbällchen schmecken auch mit den neuen Mischungen so gut wie mit herkömmlichen Fetten. Zudem enthalten sie deutlich weniger trans-Fettsäuren. Unser neuer Leitfaden unterstützt das Backgewerbe bei der Umstellung der Siedefette“, so Professor Jan Fritsche, Leiter des Forschungsprojektes, Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg und Max Rubner-Institut Kiel.

Für das Projekt wurden die neuen TFA-reduzierten Siedefettmischungen bis zu zehn Tage lang über acht Stunden auf einer Temperatur von über 165 Grad gehalten und täglich zum Sieden von Berliner Pfannkuchen und Quarkbällchen benutzt. Anschließend analysierten Experten sowie zusätzlich 120 Konsumenten in einer repräsentativen Studie das Gebäck. Die beteiligten Verbraucher stellten keine signifikanten Unterschiede beim Geruch und Geschmack der Berliner und Quarkbällchen fest.

Trans-Fettsäuren sind ungesättigte Fettsäuren, die sich sowohl auf natürlichen Wegen – im Verdauungstrakt von Wiederkäuern – als auch durch lebensmitteltechnologische Prozesse – wie bei der Teilhärtung von Pflanzenölen – bilden können. So gelangen sie in zahlreiche Lebensmittel und in die damit hergestellten Produkte. Die Europäische Kommission erwägt Höchstgehalte von TFA in Lebensmittel einzuführen. Aus deutscher Perspektive erscheint dies nicht erforderlich. Denn die Thematik ist längst als technologisch beherrscht anzusehen. Dies zeigt nicht zuletzt das vorgestellte Forschungsprojekt. In Deutschland sind die innovativen, auf pflanzlichen Ölen und Fetten basierenden transfettsäurearmen Produkte längst auf dem Markt verfügbar.

Beteiligte Organisationen:
Forschungskreis der Ernährungsindustrie e.V. (FEI), Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg (HAW Hamburg), Margarine Office Germany (IMACE), Der Backzutatenverband e.V., OVID Verband der ölsaatenverarbeitenden Industrie in Deutschland e.V., ttz Bremerhaven, Zentralverband des Deutschen Bäckerhandwerks e.V., Deutscher Konditorenbund (DKB), Verband Deutscher Großbäckereien e.V., Deutscher Schaustellerbund e.V. (DSB), Bundesverband Deutscher Schausteller und Marktkaufleute e.V. (BSM)


Projekt-Website:
www.siedefette.de

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Praxisleitfaden Siedefette

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Wie Luther mit Rapsöl ein Licht aufging

Vor 500 Jahren leitete Martin Luther die Reformation ein. Zeitgleich revolutionierte die Beleuchtung mit Rapsöl Deutschland – Licht wurde erschwinglich. Archäologen haben in Wittenberg eine rund 500 Jahre alte Öllampe entdeckt.


Berlin, 22.05.2017. Bei Ausgrabungen in Wittenberg wurden Reste einer rund 500 Jahre alten Öllampe entdeckt. Laut Dr. Christian-Heinrich Wunderlich vom Landesmuseum Halle war höchstwahrscheinlich Rapsöl der Brennstoff. „Ich bin relativ sicher, dass Martin Luther solche Lampen gekannt und auch benutzt hat, denn es ist genau der Typ von Lampen, der zu Luthers Zeiten aufkam und plötzlich Allgemeingut wurde“, so Dr. Wunderlich....mehr

Beleuchtung war bis zum Mittelalter purer Luxus. Erst zu Beginn der frühen Neuzeit eroberte die Rapspflanze Europa und lieferte große Mengen Öl. Jeder konnte sich von nun an Öl zum Verbrennen in einer Lampe leisten. Rapsöl als Brennstoff erleichterte das Arbeiten im Dunklen. Das steigerte die Produktivität der Menschen. Bis dahin waren selbst einfache Handarbeiten oft ans Tageslicht gebunden. „Damals brachte Rapsöl Licht ins dunkle Mittelalter und löste eine energetische Revolution aus. Heute sichert Raps als Biodiesel die Mobilität, liefert gleichzeitig Proteinfutter für Nutztiere und schützt das Klima“, so Wilhelm F. Thywissen, Präsident von OVID Verband der ölsaatenverarbeitenden Industrie in Deutschland.

Als Erfindung der frühen Neuzeit war Raps bereits ein wichtiger nachwachsender Rohstoff. 500 Jahre später ist die Pflanze populärer denn je: Beliebtestes Speiseöl, wichtiges Eiweißfutter, klimafreundlicher Kraftstoff. Zusätzlich lockert Raps den Boden auf und ist relevante Nahrungs-quelle für Honigbienen. „Das ist gelebte Bioökonomie und entspricht den Nachhaltigkeitszielen der Vereinten Nationen“, so Thywissen. Raps blüht aktuell auf rund 1,4 Millionen Hektar. Ernteschätzungen gehen in diesem Jahr von etwa 5 Millionen Tonnen Rapssaaten aus.

Ab dem 19. Jahrhundert verdrängte Petroleum Rapsöl als Brennstoff in den Lampen. Noch heute nutzt man Petroleum in Gartenfackeln. Dr. Wunderlich: „Wie zu Luthers Zeiten ließe sich das Licht auch problemlos mit Rapsöl erzeugen“.

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Luther-Bild

OVID begrüßt neue PIK-Studie

Wetterextreme und Protektionismus sind die wahren Preistreiber beim Weizen. Nahrungsmittelpreise seit Jahren auf gleichem Niveau ‒ trotz Zunahme von Biokraftstoffen.


Berlin, 15.05.2017. Laut einer aktuellen Analyse des Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK) hatte die Nutzung von Land zur Herstellung von Biokraftstoffen in den vergangenen 40 Jahren keinen relevanten Einfluss auf die jährlichen Weizenpreise. Preistreiber seien dagegen Wetterextreme wie etwa Dürren kombiniert mit geringen Lagerbeständen sowie eine Handelspolitik der Abschottung. ...mehr

Im Rekordjahr 2016 wurden weltweit gut 750 Millionen Tonnen Weizen geerntet. Ähnliches prognostiziert die Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) für dieses Jahr. Der Weizenpreis fließt auch in den Nahrungsmittel-Preisindex (Food Price Index) der FAO. Dieser beschreibt die Entwicklung der Weltmarktpreise von 55 Agrarrohstoffen. Seit 2011 ist der Index um rund 30 Prozent gefallen. Im gleichen Zeitraum stieg die Produktion von Biokraftstoffen um rund ein Drittel. „Die anerkannten Zahlen der FAO sprechen eine eindeutige Sprache. Wer etwas anderes behauptet, bewegt sich im postfaktischem Raum“, so Wilhelm Thywissen, Präsident von OVID Verband der ölsaatenverarbeitenden Industrie in Deutschland.

Vor allem in den Jahren 2007/08 und 2010/11 schnellten die Preise für Weizen weltweit in die Höhe. Die PIK-Wissenschaftler konnten nun nachweisen, dass schwere Dürren die Preisanstiege auslösten. Exportstopps relevanter Weizennationen wie etwa Russland oder die Ukraine und höhere Lagerhaltung von Weizen verstärkten den Effekt zusätzlich.

Wichtige Mosaiksteine bei der Hungerbekämpfung sind die Vermeidung von Lebensmittelverschwendung und Ernteverlusten. Laut FAO gehen jährlich 1,3 Milliarden Tonnen an Lebensmitteln verloren. Während in den Industriestaaten Lebensmittel häufig im Müll landen, gehen sie in den Entwicklungsländern größtenteils bereits durch Ernteverluste verloren.

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PIK-Studie - The role of storage dynamics in annual wheat prices

OVID neu im Forum moderne Landwirtschaft

Berlin, 03. Mai 2017. OVID Verband der ölsaatenverarbeitenden Industrie in Deutschland e.V. ist neues Mitglied im Forum Moderne Landwirtschaft (FORUM). OVID vertritt die Interessen von 17 Ölmühlen, deren Kernaufgabe die Verarbeitung von Ölsaaten zu vielfältigen Produkten ist. Der Verband fördert mit seinem Engagement ab sofort die kommunikativen Aktivitäten des FORUM. Zu ihnen zählen Veranstaltungen in Großstädten, insbesondere der „ErlebnisBauernhof“, digitales Storytelling auf moderne-landwirtschaft.de und zahlreiche Initiativen des FORUM-Netzwerks. ...mehr

Petra Sprick, Geschäftsführerin von OVID: „Ob Pflanzenöle, Kosmetikartikel oder Biodiesel – jeder nutzt im Alltag Produkte der Ölmühlen. Doch dem kritischen Verbraucher reicht das nicht mehr. Er fordert mehr Transparenz und Nachhaltigkeit. Dieser Verantwortung stellen sich die Ölmühlen gern. OVID unterstützt daher die kreative und direkte Verbraucher-Kommunikation des FORUM als elementaren Teil einer modernen Agrarwirtschaft. Wichtig für uns ist es, gemeinsam Kräfte zu bündeln und die Vielfalt der deutschen Agrar- und Ernährungsbranche aufzuzeigen.“

Dr. Christoph Amberger, Geschäftsführender Vorstand des FORUM: „OVID ist ein starker Verband und steht für zukunftsweisende Wertschöpfungsketten und Positionen einer modernen, nachhaltigen Landwirtschaft. Wir freuen uns sehr darüber, dass OVID sich ab sofort im FORUM engagiert. Wir wachsen stark. Die bereits vierte Neumitgliedschaft in diesem Jahr zeigt, dass unsere Erfolge immer besser wahrgenommen werden. Wir erreichen bereits Millionen Menschen mit unseren Themen der modernen Landwirtschaft.“

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Attraktivität des Rapsanbaus liegt Ölmühlen am Herzen

Berlin, 29. März 2017. Bestrebungen zur Anhebung des Ölbasisgehalts von 40 auf 42 Prozent beim Handel von Rapssaaten sorgen derzeit für Verunsicherung unter Marktteilnehmern. „Aus Sicht der deutschen Ölmühlen gibt es sowohl für eine Anhebung als auch eine Beibehaltung des seit rund 25 Jahren bewährten Abrechnungssystems schlüssige Argumente“, betont Petra Sprick, Geschäftsführerin von OVID Verband der ölsaatenverarbeitenden Industrie in Deutschland. „Mit welcher Regelung auch immer: Für die Verarbeiter ist es fundamental wichtig, die Landwirte für den Rapsanbau durch eine angemessene Vergütung weiterhin zu motivieren“, so Sprick. ...mehr

Bisher basiert die Vermarktung von Rapssaaten in Deutschland auf den Standardwerten aus dem ehemaligen europäischen Beihilfesystem: 40 Prozent Ölgehalt, neun Prozent Feuchte und zwei Prozent Besatz. Für höhere Ölgehalte erhalten die Landwirte 1,5 Prozent Zuschlag je zusätzlichem Prozent Rapsöl. Dieses Modell einer punktgenauen Abrechnung sorgt für Transparenz. Es schafft gleichzeitig einen monetären Anreiz für hohe Rapsqualitäten.

Die in Deutschland bewährte Rapsabrechung steht aktuell in der Diskussion – hervorgerufen durch einen Vorstoß französischer Ölsaatenverarbeiter. Diese beantragten Ende des vergangenen Jahres bei der Warenterminbörse Euronext in Paris, die Raps-Notierungen für den Handel mit Raps auf einen Ölbasisgehalt von 42 Prozent anzuheben. Für eine Erhöhung des Ölbasisgehalts spricht, dass die heutigen Ölgehalte sortenbedingt regelmäßig weit über 40 Prozent liegen, wie Ernte-Statistiken für Deutschland belegen. Dadurch ist der tatsächliche Preis für die Rapssaat mit den Zuschlägen für höhere Qualitäten oft deutlich attraktiver, als er an der Warenterminbörse notiert wird. Außerdem sind 42 Prozent Ölbasisgehalt bereits gängige Praxis auf internationalen Agrarmärkten: Hauptexportländer für Rapssaaten wie die Ukraine, Kanada und Australien handeln ihre Kontrakte mit diesem Wert. Eine Vereinheitlichung auf 42 Prozent würde damit die Zahlungsabwicklung im internationalen Handel erheblich vereinfachen. „Den Ölmühlen ist bewusst, dass Raps im Wettbewerb zu Getreide und anderen Hackfrüchten steht und wegen seines vergleichsweisen geringeren Ertrags und größeren Anbaurisikos nur dann in der Fruchtfolge verbleibt, wenn der Preis in einer bestimmten Relation zum Weizenpreis steht. Durch die Anhebung des Basispreises würde der Rapserlös für den Erzeuger in Prinzip in keiner Weise geschmälert, weil nach wie vor die Qualitätsvergütung exakt abgerechnet wird“, hebt Sprick klärend hervor.

Gegenwärtig prüft die Pariser Warenterminbörse Euronext eine mögliche Anhebung auf 42 Prozent Ölgehalt. „Ob es tatsächlich zu einer Anpassung der Notierungen für Rapssaaten bei der Warenterminbörse in Paris kommt, wird einzig und allein die Situation am physischen Markt entscheiden. OVID als Verband hat darauf keinen Einfluss“, sagt Sprick.

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ECHA-Bewertung: Glyphosat ist nicht krebserregend

Berlin, 15. März 2017. Die Europäische Chemikalienbehörde ECHA mit Sitz in Helsinki hat im Rahmen einer chemikalienrechtlichen Neubewertung Glyphosat als nicht krebserregend eingestuft. Dieses Ergebnis ist entscheidend für die anstehende EU-weite Wiedergenehmigung von Glyphosat als Pflanzenschutz-Wirkstoff....mehr

Der Grain Club erwartet nun eine zügige Fortsetzung des Genehmigungsverfahrens. Die EU-Kommission und die Bundesregierung sind aufgefordert, sich zu den gültigen wissenschaftlichen Prüfungsverfahren zu bekennen und entsprechend zu handeln.

  Im Jahr 2016 war das auf wissenschaftlichen Kriterien beruhende Genehmigungsverfahren auf massiven Druck öffentlichkeitswirksamer Kampagnen ins Stocken geraten. Auslöser dafür war, dass die der Weltgesundheitsorganisation (WHO) angegliederte Internationale Krebsagentur (IARC) Glyphosat als wahrscheinlich krebserregend eingestuft hatte. Andere wissenschaftliche Einrichtungen wie das für die Pestizidbewertung zuständige Gremium (JMPR), ebenfalls der WHO angegliedert, sowie die europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) und das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) kamen zum Schluss, dass nach derzeitigem Stand der Wissenschaft bei bestimmungsgemäßer und sachgerechter Anwendung kein krebserregendes Risiko durch Glyphosat zu erwarten ist. Die mit der Zulassung betrauten Lebensmittelbehörden wurden daraufhin mit Kampagnen überzogen. Um die vorliegenden Bedenken einer weiteren, abschließenden Prüfung durch die Europäische Chemikalienbehörde zu unterziehen, verlängerte die EU-Kommission die Genehmigung – anstatt für 15 Jahre – nur um 18 Monate! Auf Basis der nun vorliegenden Erkenntnisse wäre eine Genehmigung für 15 Jahre angezeigt.

Glyphosat ist ein wichtiges ackerbauliches Werkzeug. Die Methode der konservierenden oder auch nicht wendenden Bodenbearbeitung ließe sich ohne Pflanzenschutzmittel wie den Glyphosat-haltigen Herbiziden derzeit kaum realisieren. In Getreidebeständen wird der Wirkstoff nur in Ausnahmefällen eingesetzt, wenn es in lagernden Beständen zu Unkrautdurchwuchs gekommen ist und sofern eine Beerntung ohne Unkrautbekämpfung nicht möglich ist.

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Vielseitigkeit von Raps unterschätzt

Berlin, 06. März 2017. Die Ölmühlenindustrie zeigt sich verwundert über die jüngsten Äußerungen von Bundesministerin Dr. Barbara Hendricks. Nach Auffassung von OVID Verband der ölsaatenverarbeitenden Industrie in Deutschland offenbaren sie eine grundlegende Unkenntnis über die vielfältige Rolle und Nutzung von Ackerpflanzen. „Es gibt keine reinen Energiepflanzen. Die einseitigen Verlautbarungen von Frau Hendricks verkennen die Vielseitigkeit von Raps als wichtigsten Rohstoff für die deutsche Biokraftstoff- und Eiweißfuttermittelproduktion und als ideale Nahrungsquelle für Bienen“, erläutert OVID-Präsident Wilhelm F. Thywissen. ...mehr

Die ölsaatenverarbeitende Industrie hat das Potenzial von Raps als nachhaltiges Multitalent und wichtige Komponente der Fruchtfolge bereits vor Jahren erkannt. Die Bestandteile der goldgelb blühenden Ackerfrucht landen keinesfalls allein im Tank, sondern sind essentiell für die Versorgung mit hochwertigem Tierfutter. „Allein durch die Biokraftstoffproduktion ist es gelungen, Rapsschrot als Eiweißfuttermittel Nummer 1 zu etablieren. Damit kommen wir den Verbraucherwünschen für mehr heimische Eiweißfuttermittel nach“, so Thywissen. Neben Bioenergie und Eiweißfutter werden aus den Rapssaaten Salatöl und Margarine mit hohen Gehalten an lebensnotwendigen Omega-3-Fettsäuren, Lecithin für Schokolade oder Snacks, Farben, Schmierfette, Kosmetik und Glycerin gewonnen. Umweltfreundliche Nebeneffekte: Die Rapspflanze bringt Vielfalt auf den Acker, indem sie die Fruchtfolge auflockert und die Nährstoffeffizienz steigert. Zudem dient die auf dem Feld verbleibende Restpflanze der Humusbildung.

Bundesumweltministerin Hendricks verkennt zudem die Bedeutung von Raps als einzige blühende, marktrelevante Kulturpflanze für die Ernährung von Bienen. „Ohne Raps geht es den Bienen hierzulande schlecht. Allein aus einem Hektar lassen sich 100 Kilogramm Rapshonig gewinnen“, sagt Thywissen.

Bundesministerin Hendricks hatte kürzlich in einem Interview mit dem vom Umweltministerium finanzierten Magazin „MehrWERT“ gefordert, die Produktion von Energiepflanzen als „Irrweg der Energiewende“ zurückzudrängen. 2015 wurde mit rund 1,3 Millionen Hektar auf 11 Prozent der deutschen Ackerfläche Raps angebaut.

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Grain Club stellt fünf Forderungen zur Bundestagswahl vor: Vorfahrt für Innovationen und freier Zugang zu internationalen Märkten

Berlin, 1. März 2017. Nur eine international wettbewerbsfähige deutsche Agrar- und Ernährungswirtschaft trägt zur Ernährung der Weltbevölkerung mit hochwertigen Nahrungsmitteln sowie zu mehr Klima- und Ressourcenschutz bei. Damit dieser wichtige Auftrag des nachhaltigen Wirtschaftens erfüllt werden kann, muss die Bundespolitik in der 19. Wahlperiode innovationsfreundliche und verlässliche Rahmenbedingungen in Deutschland umsetzen und in der Europäischen Union mit Nachdruck vertreten. ...mehr

Mit einem Produktionswert von 445 Mrd. Euro ist das Agribusiness einer der größten Wirtschaftssektoren in Deutschland. Im Weltagrarhandel steht Deutschland sowohl bei den Einfuhren als auch bei den Ausfuhren an dritter Stelle. Die deutsche Agrar- und Ernährungswirtschaft leistet damit einen wichtigen Beitrag zur Versorgung der wachsenden Weltbevölkerung. Global eingebunden macht sie eine effiziente und nachhaltige Ressourcennutzung möglich. Von der Politik in der Legislaturperiode 2017-2021 fordert der Grain Club:

 1. Vorfahrt für Innovationen!

Innovationen sind der Schlüssel zu einer ressourcenschonenden Agrarwirtschaft. Sie leisten einen wichtigen Beitrag zum Klimaschutz und zum Erhalt der Biodiversität. Der Einsatz neuer Züchtungsmethoden, moderne Verfahren des Pflanzenschutzes und der Düngung sind ebenso notwendig wie die Präzisionslandwirtschaft auf Basis von Digitalisierung. Nur wenn die deutsche Agrarwirtschaft Innovationen nutzen und einsetzen kann, ist die ökonomisch effiziente Nutzung der begrenzt verfügbaren landwirtschaftlichen Flächen und die Sicherstellung der Erzeugung qualitativ hochwertiger Lebens- und Futtermittel möglich.

2. Europäischer Konsens statt nationaler Alleingänge!

Konzepte für den nachhaltigen, ökologischen und ökonomischen Einsatz von Betriebsmitteln, z. B. Pflanzenschutzmitteln, müssen im Konsens mit allen Wirtschaftsgruppen erarbeitet und umgesetzt werden. Dabei bilden wissenschaftliche Erkenntnisse die Grundlage für Gesetzesänderungen und neue Gesetzesvorhaben. Die Politik muss vergleichbare Rahmenbedingungen in allen Mitgliedstaaten sicherstellen. Nationale Alleingänge gefährden die Wettbewerbsfähigkeit der Agrarwirtschaft in Deutschland und untergraben die Planungssicherheit der Unternehmen.

3. Internationalen Agrarhandel weiter stärken!

Agrarprodukte sollten vorrangig dort produziert werden, wo die knappen Ressourcen am effizientesten genutzt werden können. Der internationale Agrarhandel schafft dafür den notwendigen Ausgleich zwischen Mangel und Überfluss. Zudem trägt er maßgeblich zur Begrenzung der Folgen des Klimawandels bei. Offene Märkte sind erforderlich, um die dynamisch wachsende Nachfrage in den Schwellenländern zu befriedigen. Den Rückzug aus dem globalen Agrarmarkt und Handelsbeschränkungen lehnt der Grain Club ab.

4. Freier Zugang zu den internationalen Märkten!

Eine wettbewerbsfähige deutsche Agrar- und Ernährungswirtschaft ist auf freien Zugang zu den internationalen Märkten und den verfügbaren Rohstoffen angewiesen. Zusammen mit dem heimischen Rohstoffangebot ist insbesondere der Import von ernährungsphysiologisch wertvollen Proteinen und freien Aminosäuren wesentlich, um die Futtermittelversorgung der Tierbestände sicherzustellen.

5. Nachhaltigkeitszertifizierung an globalen Standards ausrichten!

Die Agrar- und Ernährungswirtschaft bekennt sich zur freiwilligen Zertifizierung von Nachhaltigkeitskriterien. Für eine wirkungsvolle und praktikable Anwendung von Nachhaltigkeitsstandards sind übergreifende internationale Leitprinzipien als Orientierung unabdingbar. Sie schaffen Transparenz, erleichtern die Vergleichbarkeit und ermöglichen eine globale Lenkungswirkung. Bei der Entwicklung und Implementierung dieser Leitprinzipien braucht die Branche die verlässliche Unterstützung der Politik.

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OVID veröffentlicht Positionen zur Bundestagswahl 2017

Berlin, 24. Februar 2017. Exakt heute in sieben Monaten findet die Bundestagswahl statt. Die Ölmühlenindustrie hat dazu ihre wirtschaftspolitischen Forderungen in einem „10-Punkte-Plan für eine zukunftsfähige Ölmühlenwirtschaft“ zusammengefasst. Für die Handlungsfähigkeit der Branche sind aus Sicht von OVID Verband der ölsaatenverarbeitenden Industrie in Deutschland besonders entscheidend: ein ungehinderter Zugang zu agrarischen Rohstoffen aus Drittstaaten, die Förderung des heimischen Rapsanbaus sowie die Fortsetzung der Produktion konventioneller Biokraftstoffe als Beitrag zum Klimaschutz. ...mehr

„Die Energiewende im Straßenverkehr wird ohne Biokraftstoffe nicht gelingen. Sie sind derzeit die einzig wirklich funktionierende Alternative für mehr Klimaschutz. Mit ihrem Verzicht würde Deutschland zusätzlich sieben Millionen Tonnen Treibhausgase in die Atmosphäre blasen. Das konterkariert das Pariser Klimaschutzabkommen“, so OVID-Präsident Wilhelm F. Thywissen

Ob Treibstoff, Kunststoff, Futtermittel oder Nahrungsmittel: Die Erzeugnisse der Ölmühlen sind vielfältig und in etwa 80 Prozent der Produkte des täglichen Bedarfes enthalten. Die Ölmühlenindustrie ist integraler Bestandteil der deutschen Agrar- und Ernährungswirtschaft und intensiv in den internationalen Handel mit Ölsaaten, Ölen und Schroten eingebunden.

Die zehn OVID-Forderungen lauten:
1.    Vielfalt der deutschen Agrarwirtschaft befördern statt begrenzen!
2.    Rolle des internationalen Agrarhandels würdigen!
3.    Rohstoffversorgung sichern - Importmärkte offenhalten!
4.    Heimische Proteinversorgung: Rapsanbau aufrechterhalten!
5.    Verkehrswende mit Biokraftstoffen aus Pflanzenölen gestalten!
6.    Fortschritte in der Pflanzenzüchtung nicht blockieren!
7.    Biobasierte Wirtschaft für mehr Ressourcen- und Umweltschutz fördern!
8.    Verbraucherverunsicherung bekämpfen, wissensbasierte Risikobewertung betreiben!
9.    Gesunde Ernährung: Verbraucher aufklären statt bevormunden!
10.    Agrarwirtschaftliche Kompetenz in einer Hand erhalten!

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Grain Club: Agrarwirtschaft stärken – Klima schützen

Berlin, 19. Januar 2017. Die Welternährung und der Klimawandel gehören zu den großen Herausforderungen unserer Zeit. Wie werden wir zum Ende dieses Jahrhunderts zehn Milliarden Menschen ernähren sowie weitgehend emissionsfrei wirtschaften und leben können? Diese Fragen standen im Mittelpunkt der Pressekonferenz des Grain Clubs zum Auftakt der Internationalen Grünen Woche. ...mehr

Agrarhandel reduziert Klimaschäden um mehr als die Hälfte

Eine aktuelle Studie des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung (PIK) aus dem letzten Jahr bescheinigt dem Freihandel eine wichtige Rolle bei der Anpassung der Agrarwirtschaft an den Klimawandel. Die Studie hat die Folgen des Klimawandels für die Landwirtschaft untersucht. Danach können die zu erwartenden Klimaschäden bis zu 0,8 Prozent der globalen Wirtschaftsleistung erreichen. Das wären ca. 2,5 Billionen US-Dollar zum Ende dieses Jahrhunderts. Prof. Dr. Hermann Lotze-Campen vom PIK wies auf die große Bedeutung des freien Agrarhandels für die Anpassung an den Klimawandel hin: „Die künftigen Klimaschäden können durch offene Handelsbeziehungen um mehr als die Hälfte reduziert werden“.

Klimaschutz ist eine gesamtgesellschaftliche und globale Herausforderung

Der Grain Club, die Allianz von Verbänden der Lebens- und Futtermittelwirtschaft, setzt sich für die Balance aus nationalem Klimaschutz und globaler Ernährungssicherung ein: „Bestehende Agrarflächen müssen klima- und ressourceneffizient genutzt werden! Der Schlüssel hierfür liegt in einer nachhaltigen Produktivitätssteigerung. Dafür brauchen wir jedoch weitere Fortschritte in der Präzisionslandwirtschaft und Pflanzenzüchtung“, erklärte Petra Sprick, Geschäftsführerin bei OVID Verband der ölsaatenverarbeitenden Industrie in Deutschland. Peter Radewahn, Geschäftsführer des Deutschen Verbandes Tiernahrung, ergänzte: „Moderne ressourceneffiziente Tierernährung trägt maßgeblich zur Entlastung der Umwelt und zum Klimaschutz bei. Wir verbessern die Verwertung von Nährstoffen durch innovative Zusatzstoffe, verringern damit die Ausscheidungen und die Luft- und Bodenbelastung. Gezielte Aminosäureverwendung ermöglicht die Reduzierung von Protein im Futter und vermindert die Ammoniakbelastung“.

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Hier finden Sie den aktuellen OVID-Brief zum Thema Welternährung