OVID fordert Veto: Brüssels Soja-Pläne gefährden Europas Proteinversorgung

EU-Plan belastet Soja-Verarbeitung in Europa. OVID warnt vor Kollateralschäden für Wirtschaft und Versorgung.

Der Plan der EU-Kommission, Soja pauschal als „High iLUC Risk“-Rohstoff einzustufen und damit faktisch aus dem europäischen Biokraftstoffmarkt auszuschließen, droht die Resilienz der europäischen Versorgung einzuschränken und ist ein klimapolitischer Rückschritt. OVID Verband der ölsaatenverarbeitenden Industrie in Deutschland fordert von Brüssel, das Vorhaben zu stoppen. 

„Die Ölsaatenverarbeitung erfolgt stets als Koppelproduktion. Aus der Sojabohne entstehen 80 Prozent hochwertiges Eiweißfutter und 20 Prozent Öl. Ohne die Erlöse aus dem Sojaöl ist die heimische Verarbeitung der Bohne nicht mehr tragfähig. Wenn Brüssel das Sojaöl aus dem Kraftstoffsektor verbannt, fällt der Absatz für die Sojabohnen in der heimischen Verarbeitungsindustrie weg. Das ist eine immense Bedrohung für viele Betriebe,” betont OVID-Präsidentin Jaana Kleinschmit von Lengefeld.

Europa leidet ohnehin unter einem massiven Proteindefizit. Das in der Verarbeitung gewonnene Sojaschrot ist das wichtigste Eiweißfuttermittel für die heimische Erzeugung von Fleisch, Milch und Eiern. Bricht die hiesige Sojabohnenverarbeitung infolge des wegfallenden Kraftstoff-Absatzmarktes ein, schwächt die EU zugleich die eigene Erzeugung nachhaltiger Proteinfuttermittel erheblich und konterkariert dabei ihre eigene Strategie. 

„Anstatt den europäischen Sojaanbau zu stärken, müsste die EU künftig reines Sojaschrot aus anderen Weltregionen einführen. Das läuft dem von der EU-Kommission angekündigten Protein-Plan diametral entgegen und stürzt die heimische Lebensmittelversorgung in neue Abhängigkeiten – und das in einer Zeit, in der Versorgungssicherung und Wirtschaftswachstum oberste politische Priorität haben müssen”, so die OVID-Präsidentin. „Zudem setzt Brüssel auch die aktuell so oft geforderte energiepolitische Resilienz aufs Spiel. Denn wer die Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen im Verkehr reduzieren und die Resilienz unserer Energieversorgung verbessern will, braucht zwingend Biokraftstoffe und die nötige Flexibilität — pauschale Verbote bedeutender Rohstoffe bewirken genau das Gegenteil.”

Soja, das in Deutschland verarbeitet wird, ist durch bestehende Zertifizierungssysteme bereits zu 100 Prozent nachhaltig. Hinzu kommt die EU-Entwaldungsverordnung (EUDR), die zusätzlich eine zu 100 Prozent rückverfolgbare und entwaldungsfreie Sojalieferkette auch von heimischen Erzeugern verlangt. Die geplante High-iLUC Einstufung konfrontiert die Wirtschaft mit weiteren Regularien, die dasselbe Ziel verfolgen. Das ist das genaue Gegenteil von Bürokratieabbau.

OVID wendet sich angesichts der drohenden Belastungen an die politisch Verantwortlichen: „Wir rufen die Abgeordneten des Europäischen Parlaments, den EU-Rat sowie die Bundesregierung auf, im aktuellen Prüfverfahren ein Veto gegen dieses Vorhaben einzulegen. Der Kommissionsplan ist ein Angriff auf die europäische Agrar- und Lebensmittelwirtschaft. Es droht ein großer und irreversibler Schaden für Wirtschaft und Verbraucher“, warnt OVID-Präsidentin Jaana Kleinschmit von Lengefeld.

Vertiefende Fakten, Argumente und Hintergrundinformationen finden Sie unter diesem Link: OVID-Stellungnahme zur geplanten High-iLUC-Einstufung von Soja 
 


Ansprechpartner OVID

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